Pfleger helfen sogar mit Sonnencreme: Große Hitze: Eisbomben für Tiere im Zoo

Pfleger helfen sogar mit Sonnencreme : Große Hitze: Eisbomben für Tiere im Zoo

Frankfurt/Main (rpo). Wenn Menschen schon kaum noch mit der Rekordhitze klarkommen, wie ergeht es dann Tieren im Zoo? Hier helfen die Pfleger ihren Lieblingen mit allen nur erdenklichen Erleichterungen. Von kalten Duschen bis zu Eisbomben reicht das Spektrum.

Im Zoologischen Garten in Berlin wurden in vielen Gehegen Rasensprenger aufgestellt, wie der wissenschaftliche Mitarbeiter Rudolf Reinhard berichtet. Die meisten Tiere könnten sich auf die Temperaturen einstellen, sagt er. Antilopen zum Beispiel hätten die Wärme ganz gerne. Zu den Sorgenkindern gehöre hingegen der Schabrackentapir. Dem aus dem Urwald stammenden asiatischen Huftier macht die pralle Sonne zu schaffen. "Er bekommt immer wieder einen Sonnenbrand", sagt Reinhard. "Wie einen Kinderpopo reiben die Pfleger das Tier schon profilaktisch mit Hautcreme ein."

Die Wärter im Tierpark Hagenbeck in Hamburg haben sich für ihre Lieblinge etwas ganz Besonderes einfallen lassen. "Bei uns gibt's Eisbomben", sagt Pflegerin Nicole Timm. Das Eis werde schichtweise gefroren, bei den Affen komme Obst, bei den Eisbären Fisch und Fleisch hinein. "Eine schöne Beschäftigung für die Tiere", sagt Timm.

Duschen für die Elefanten

Eine besondere Attraktion gibt's in Hellabrunn. "Die Pfleger spritzen die Elefanten regelmäßig mit Wasser ab. Da ist das Publikum immer begeistert", sagt Tierpark-Sprecherin Doris Schwarzer. "Richtig witzig" sähen die Kamele aus. "Im Winter haben sie eine dicke Wolle am Leib. Jetzt sind sie ganz kahl."

Insgesamt gehe es den Tieren hervorragend, berichtet Schwarzer. In den meisten Gehegen gebe es genügend Bäume als Schattenspender. "Bei den anderen lassen wir die Häuser offen." Für die kanadischen Moschusochsen, die an kältere Temperaturen gewöhnt sind, haben die Wärter Sprenkelanlagen angebracht, "da können sie sich dann jederzeit abduschen". Begeistert von der Wärme ist hingegen das zwei Wochen alte Giraffenbaby "Giselle". Schwarzer schwärmt: "Sie ist die einzige, die gar nicht mehr aus der Sonne mag."

Auch im Zoo Dresden werden Wassersprenger aufgestellt. "Die Eisfüchse haben's besonders schwer", sagt der zoologische Leiter Wolfgang Ludwig. Sie kämen tagsüber gar nicht aus ihren Ställen. "Nachts sind sie dann dafür um so aktiver." Das müssten die Besucher verstehen. Beim Schneeleoparden wirke sich die Hitze auf den Appetit aus. "Plötzlich reicht das Futter viel länger", sagt Ludwig.

Im Kölner Zoo gebe es für die Pinguine Wassersprühnebel zur Kühlung, sagt der stellvertretende Zoo-Direktor Olaf Behlert. Manche Tiere müssten mit Futter von den Glasscheiben weggelockt werden, "damit sie keinen Hitzeschlag bekommen". Die Tierpfleger passten besonders darauf auf.

Viele Tiere helfen sich selbst

Im Nürnberger Tiergarten haben die Wärter gegen die pralle Sonne Dächer angebracht, wie der Zoologe Helmut Mägdefrau erläutert. Außerdem gebe es überall Bäume zum Unterstellen. Die meisten Tiere hätten aber ohnehin keine Probleme. Viele wüssten sich selbst zu helfen. "Der Weißkopfadler ist zur Zeit ständig am Hecheln", sagt Mägdefrau. Die Urwildpferde seien aus ihrer Heimat Temperaturen bis zu 40 Grad gewöhnt. "Die kommen aus der Mongolei, und da gibt's meist gar keinen Schatten."

Im Frankfurter Zoo gibt es ein spezielles Nachttierhaus, in dem die Temperatur auf jede Tierart individuell eingestellt werden kann. "Es ist wichtig, dass die Tiere ihrer Klimaregion entsprechend gehalten werden. Alles andere ist Tierquälerei", sagt Zoo-Sprecherin Bettina Ax. Für die Affen aus dem Regenwald werde eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit produziert. Pinguine, die kühlere Temperaturen gewohnt sind, "kommen mit der Außenwelt gar nicht in Berührung", sagt Ax. Sie würden in einem verschlossenen Gehege bei konstanten sechs Grad gehalten. "Das ist alles relativ harmlos bei uns", sagt Ax.

Rudolf Reinhard vom Zoologischen Garten Berlin bringt es auf den Punkt: "Eigentlich müssen wir eher auf die Besucher aufpassen, dass die uns nicht kollabieren."

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