Provokante These: Die Bibel als Öko-Ratgeber: Göttinger Professor interpretiert das Alte Testament

Provokante These: Die Bibel als Öko-Ratgeber : Göttinger Professor interpretiert das Alte Testament

Stuttgart (rpo). Die Bibel als Öko-Handbuch? Das "Jahr der Bibel" hat gerade begonnen, da meldet sich der renommierte Wissenschaftler Aloys Paul Hüttermann mit ebenso gewagten wie spannenden Thesen zu Wort: "Das Alte Testament ist eine detaillierte Anweisung für nachhaltiges Wirtschaften", behauptet er in der deutschen Ausgabe des Monatsmagazins "Reader's Digest".

Die Kernaussage des Göttinger Biologen: "Die Juden müssen bereits vor über 2000 Jahren ein profundes Wissen über Ökologie und natürliche Zusammenhänge gehabt haben."

Konservative Theologen hören so etwas nicht gern. Der Grund: In seinem Buch "Im Anfang war die Ökologie" behauptet Hüttermann: "Man kann die Bibel lesen, ohne akzeptieren zu müssen, dass es einen Gott gibt." Nun dürfte er mit seinen Öko-Thesen wiederum heftige Reaktionen auslösen. Der Professor für Forstbotanik und Technische Mykologie - selbst gläubiger Christ - sieht in den Büchern Mose nicht nur die ansonsten proklamierten Grundregeln zwischen Gott und den Gläubigen.

Anhand von Beispielen belegt

Er vermutet dahinter vielmehr ein Zeugnis, wie die Juden einst ihr Leben meistern konnten: Nur weil sie bestimmte Gebote und Verbote respektiert hätten, sei es ihnen gelungen, "auf sehr begrenztem Raum in karger Landschaft über Jahrhunderte hinweg im Einklang mit der Natur zu leben."

In "Reader's Digest" belegt er seine Behauptung anhand von Beispielen. Im dritten Buch Mose werde zwar erlaubt, dass alle Tiere gegessen werden dürfen, "nicht aber das Kamel, das Wildschwein". Hüttermanns These: Kamele seien als Transporttiere wichtig gewesen und Schweine hätten den Menschen durch ähnliche Nahrungsansprüche das Essen streitig gemacht. "Rinder dagegen machen Nahrung nutzbar, die dem Menschen verschlossen bleibt", so der Professor.

Eine andere Passage im dritten Buch Mose ("Von allen Tieren, die im Wasser leben, dürft ihr essen ... Aber alles was in Flüssen lebt und keine Flossen oder Schuppen hat, sei euch abscheulich") fasst der Biologe auf seine Weise zusammen: Du sollst kein Wassergetier essen, dass dir Schädlinge vom Leib hält. Gemeint seien damit vor allem Insekten fressende Amphibien, also Frösche, glaubt Hüttermann.

Bereits über mikrobiologisches Wissen verfügt

Seine Begründung: Als man in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts den Froschschenkel als Delikatesse entdeckte, wurde in Bangladesh die Jagd auf das Tier ausgeweitet. Daraufhin breitete sich im Land die Malaria aus - selbst in Gebieten, in denen diese Krankheit früher nicht aufgetreten war. Die Schlussfolgerung: Mit den Fröschen hatte Bangladesh seinen billigen und effektiven Malariaschutz verkauft.

Besonders fasziniert hat den Bibelforscher, dass das Volk Israel bereits über mikrobiologisches Wissen verfügt haben muss. Als Beweis führt Hüttermann die Reinheitsgesetze an. Im dritten Buch Mose findet sich die Warnung vor totem Kleingetier wie Mäusen oder Ratten. ("Jeder Gegenstand, auf den eines dieser Tiere fällt, wenn sie tot sind, wird unrein. Jedes Tongefäß, in das ein solches Tier fällt, müsst ihr zerbrechen. Jede Speise, die man essen will, wird unrein, wenn Wasser aus einem solchen Gefäß darauf kommt.") Die Juden wussten also offensichtlich, dass Aas auch mittelbar eine tödliche Gefahr für Leib und Leben darstellt. Denn die giftigen Bakterien, die sich auf Aas sehr schnell bilden, können den Ton verseuchen.

Für Hüttermann haben die ökologischen Gebote der Bibel nichts mit göttlicher Offenbarung zu tun. "Dahinter muss Jahrhunderte lange Beobachtung und Erforschung der Natur stecken, die von Generation zu Generation überliefert und schließlich aufgeschrieben wurde", meint er.

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