Gerhard Ludwig Müller wird Kardinal

Düsseldorf : Glaubens-Präfekt Müller wird Kardinal

Der Papst ehrt damit auch einen deutschen Kämpfer für die Rechte der Armen in Lateinamerika.

Die Nachricht, dass Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller am 22. Februar von Papst Franziskus in Rom den Kardinals-Purpur erhalten wird, überrascht aus zwei Gründen nicht: Der 66-jährige Theologieprofessor mit einer selbstverfassten Bibliothek von mehr als 400 Schriften ist seit 2012 Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre und damit Chef des ältesten, vielleicht wichtigsten, einst auch als "Heilige Inquisition" gefürchteten Dikasteriums der Römischen Weltkirche.

Nach alter Tradition sind die Präfekten der Dikasterien — man könnte sie "Minister Seiner Heiligkeit" nennen — entweder bereits bei ihrer Ernennung Kardinäle oder sie werden es, so wie jetzt Müller, recht bald danach. Der zweite Grund, warum der gebürtige Mainzer in den demnächst 122 Köpfe zählenden Kreis der Papstwähler eintritt, ist mit Sicherheit sein sozialpolitisches Profil. Dem argentinischen Papst, dem eine arme Kirche für die Armen am Herzen liegt, dürfte Müllers langjähriger, tatkräftiger priesterlicher Einsatz für die Schwachen und Bedürftigen vor allem im lateinamerikanischen Peru imponieren. Ob Franziskus auch mit Müllers kirchenpolitisch eisern bewahrendem Temperament (Ja zum Zölibat, Nein zum Frauenpriestertum, Nein zu genereller Zulassung geschiedener Wiederverheirater zu den Sakramenten) einverstanden ist, wird die nahe Zukunft erweisen. Es sieht so aus, als gebe es hier einen schwelenden Dissens zwischen dem Papst und seinem deutschen "Minister".

Viele, die Müller als erzkonservativen Knochen schmähen, ignorieren die Weltläufigkeit des perfekt spanisch sprechenden Karl-Lehmann-Schülers und Intellektuellen. Der Glaubenspräfekt, dessen Vor-Vorgänger von 1982 bis 2005 der spätere Papst Joseph Kardinal Ratzinger war, ist befreundet mit dem lateinamerikanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez, mit dem er ein Buch über den Kampf gegen die Armut verfasst hat.

Dennoch trat in der Vergangenheit weniger Müllers soziales Engagement für die Benachteiligten in den Vordergrund, umso mehr seine oft schroffen Bemerkungen an die Adresse von Kirchenkritikern und sogenannten Modernisierern. Der künftige zehnte deutsche Kardinal, der von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg war, irritierte zuletzt Teile seiner deutschen bischöflichen Mitbrüder mit kerniger Unterstützung für den kurz darauf vom Papst beurlaubten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Müller gehört wie Kardinal Meisner in Köln zu denjenigen, die hinter den Attacken gegen Tebartz-van Elst nicht nur, aber auch den Versuch vermuten, einen missliebigen Konservativen zu diskreditieren.

(RP)
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