Düsseldorf: Gefährliche Keime im Trinkwasser?

Düsseldorf : Gefährliche Keime im Trinkwasser?

Nachdem der TÜV Rheinland herausgefunden hat, dass vielerorts das Trinkwasser mit Bakterien verschmutzt ist, sind Verbraucher verunsichert. Doch welche Bedeutung hat die Untersuchung? Immerhin ist das deutsche Trinkwasser normalerweise sehr sauber.

Erschreckend ist die Vorstellung, dass unser Trinkwasser aus dem Hahn nicht sauber genug ist. Eine Untersuchung des TÜV Rheinland jedenfalls hat ergeben, dass rund die Hälfte der Proben aus Wasserkränen in öffentlichen Gebäuden zu viele Bakterien beinhaltetet. Doch was bedeutet das für den Verbraucher? Antworten zu aktuellen Fragen.

Welche Bakterien befinden sich im Wasser?

Unser Trinkwasser enthält eine Vielzahl an Bakterien. Die meisten davon sind unschädlich für den Menschen. Einige jedoch können zu ernsthaften Erkrankungen führen. Escherichia Coli ist zum Beispiel ein natürlicher Darmkeim, der aber auch Durchfall und Erbrechen auslösen kann, wenn ein Mensch zu viele Keime trägt. Diese Symptome können alle coliformen Bakterien auslösen. Eine weitere Art sind die Pseudomonaden, die auch Krankenhauskeim genannt werden. Sie können zu entzündlichen Reaktionen führen, wenn sie erst einmal in den Körper gelangt sind. Ebenfalls befinden sich möglicherweise Legionellen im Trinkwasser. Diese Erreger gelangen in den Körper, indem sie eingeatmet werden. Winzige Wassertröpfchen können als Überträger fungieren. Legionellen führen im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung.

Wie sauber ist das Trinkwasser in Deutschland?

Unser Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel und hat normalerweise eine sehr gute Qualität. Zuletzt berichtete das Umweltbundesamt (UBA) gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium, dass die festgesetzten Grenzwerte für coliforme Bakterien zwischen den Jahren 2005 bis 2007 in nur ein bis zwei Prozent der Überwachungsmessungen überschritten worden seien. Alle weiteren Bakterienarten hätten unter den Grenzwerten gelegen, die die Trinkwasserverordnung angibt. Allerdings sind coliforme Bakterien sowie E. Coli erst einmal nur Indikatoren für die Qualität des Wassers. Wenn viele von ihnen gefunden werden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch andere, schädliche Bakterien in der Probe vorhanden sind. Die Anwesenheit des Bakteriums Escherichia coli weist auf eine Verschmutzung mit Fäkalkeimen hin, während die coliformen Keime eine allgemeine mikrobielle Verunreinigung anzeigen.

Wer ist für die Qualität des Trinkwassers verantwortlich?

Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass die Qualität des Trinkwassers überprüft und erhalten wird — allerdings nur bis zum Hausanschluss des Endverbraucher. Für die Instandhaltung der Leitung und Hygiene in den Sanitäranlagen bis zur Entnahmestelle in den Gebäuden selbst ist der jeweilige Gebäudebetreiber verantwortlich. Daher gibt es eine Grauzone: Zwischen den Rohren und dem Glas oder der Wasserflasche stehen immer noch der Wasserhahn und die Armaturen. Wenn diese nicht regelmäßig gereinigt werden, können sich hier natürlich auch Bakterien vermehren. Und dann wird das eigentlich saubere Trinkwasser durch sie verschmutzt.

Was bedeuten die Ergebnisse des TÜV Rheinland? Bei der Untersuchung des TÜV Rheinland wurden die Proben direkt aus den Wasserhähnen genommen. Normalerweise müssen laut Trinkwasserverordnung die Hähne zuerst desinfiziert werden, dann muss das Wasser etwas laufen, bevor die Probe genommen wird. "Die Ergebnisse unserer Untersuchungen nach Trinkwasserverordnung mit normgerechter Probenahme und die Ergebnisse des TÜVs lassen sich also nicht vergleichen", sagt Irmgard Feuerpfeil, Leiterin des Fachgebiets "Mikrobiologie des Trink- und Badebeckenwassers" vom UBA. Die Mikrobiologin weiß, dass solche Nachrichten die Verbraucher verunsichern, aber es gibt gute Kontrollen und einfache Methoden, um die Keimbelastung zu verringern.

Was können Verbraucher tun, um sich vor Keimen zu schützen?

"Es hilft schon, wenn das Wasser aufgedreht wird und so lange läuft, bis es wieder kühl und frisch aus dem Wasserhahn kommt, bevor man es trinkt", sagt Feuerpfeil. Dadurch wird das stehende, wärmere Leitungswasser, in dem sich möglicherweise Bakterien vermehrt haben, gar nicht erst getrunken. Das Warmwasser sollte auf 60 Grad vorgeheizt werden. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte Wasser abkochen, bevor er es zu sich nimmt.

Kann man die Qualität seines eigenen Wassers prüfen?

Bislang gibt es keinen Wassertest, den Verbraucher Zuhause durchführen können. Da sich im Wasser sehr viele unschädliche Bakterien befinden, ist es kompliziert, einen Schnelltest zu entwickeln, der sensibel genug ist, um die wenigen gefährlichen Stämme zu detektieren. Zuerst muss nämlich eine Kultur angelegt werden, damit sich die seltenen Bakterien vermehren können — und vom Test erkannt werden. Alois Friedberger leitet die European Aeronautic Defense and Space Company (EADS) und arbeitet derzeit an der Entwicklung eines Schnelltests. Verbraucher können ihr Wasser höchstens von kommerziellen Anbietern oder den Stadtwerken analysieren lassen.