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Serie: Wissen der Zukunft: Freiwillige zeigen ihre DNA

Serie: Wissen der Zukunft : Freiwillige zeigen ihre DNA

Düsseldorf (RP). US-Gen-Pioniere gehen einen konsequenten Weg im Umgang mit ihren Ergebnissen. Es war Craig Venter, der in diesem Jahr als erstes sein Genom im Internet zugänglich machte ­ mit allen Schwächen, die Experten daraus gelesen haben.

Der Biologe und Millionär hatte im Jahr 2000 Aufsehen erregt, als er im Alleingang mit einem imposanten Maschinenpark und Computer-Unterstützung als Erster das menschliche Erbgut (fast) vollständig sequenzierte.

Venters Beispiel hat Schule gemacht. James Watson, Nobelpreisträger für die Entdeckung der DNA, hat sein Erbgut ebenfalls offen publiziert. Ende Oktober traten zehn weitere Gen-Spezialisten vor die Presse, die im Rahmen des "Personal Genome Projekt" noch einen Schritt weitergehen. Sie wollen nicht nur ihre Gene zeigen, sondern teilweise auch einen Einblick in ihre Krankenakten geben. Einige beantworteten offen weitere Fragen, die genetische Rückschlüsse ermöglichen.

Beispiel: Können Sie die Zunge rollen? Eine bisher unbekannte Offenheit im Dienst der Wissenschaft. Leiter dieses Projektes ist der Genetiker George Church von der Elite-Uni Harvard. Das Ziel: noch mehr Menschen für eine große Datenbank zu gewinnen. Die vollständige Erbgut-Analyse ist teuer. Die Probanden erhalten ihre Ergebnisse zudem ausführlich kommentiert ­ mit Tipps für die Lebensführung.

Dieser Ansatz scheint zu fruchten. 10.000 potenzielle Freiwillige hätten sich für das Projekt gemeldet, berichtet Church. Er habe von der Universität die Erlaubnis, bis zu 100.000 Menschen in die Datei aufzunehmen. Generell scheint die Bereitschaft der Menschen zu wachsen, sich an medizinischen Studien zu beteiligen, wenn sie davon einen persönlichen Vorteil haben.

Wie schwierig die Situation für den Einzelnen werden kann, zeigt aber schon die kleine Gruppe der zehn Freiwilligen. Obwohl sie alle eng mit der Gentechnik befasst sind, wollen einige nur Teile der Informationen preisgeben. Ein Forscher möchte Informationen über Gene, die für eine Alzheimer-Erkrankung wichtig sind, zurückhalten. Ein Anderer wird noch größere Teile verweigern. Er hat Angst, dass die Entwicklung seiner kleinen Tochter durch die Aussagen der Gen-Analyse verändert wird. Willkommen im Alltag.