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Europäisches Prestigeprojekt vorerst gerettet: Wie das Galileo-System funktioniert

Europäisches Prestigeprojekt vorerst gerettet : Wie das Galileo-System funktioniert

Brüssel (RPO). Seit Jahren steht das europäische Navigationssystem Galileo immer mal wieder auf der Kippe. Jetzt scheint das Prestigeprojekt erst einmal gerettet. Wir erklären Ihnen, wie das System aussehen soll und was es leisten wird.

Nach monatelangen Verteilungskämpfen hat sich die EU auf Vergaberegeln für das Satelliten-Navigationssystem Galileo verständigt und damit ein Scheitern des Prestigeprojekts abgewendet. Gegen den Widerstand Spaniens legten die EU-Verkehrsminister am späten Donnerstagabend Prinzipien für die Vergabe der lukrativen Aufträge für den Aufbau des 3,4 Milliarden Euro teuren Systems fest.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zeigte sich zuversichtlich, "dass die deutsche Raumfahrtindustrie einen wesentlichen Anteil bei der Realisierung dieses Projektes bekommt und dass ein sehr großer Anteil dieser 3,4 Milliarden" nach Deutschland fließen werde.

Die Zukunft des geplanten Bodenkontrollzentrums für Galileo im bayerischen Oberpfaffenhofen sei gesichert, sagte Tiefensee: "Oberpfaffenhofen ist eine tragende Säule für dieses System." Beim Satelliten-Bau "wird Deutschland mit EADS Astrium einen großen Anteil haben", prophezeite der Bundesverkehrsminister. Zwar müsse sich das Unternehmen bei der Ausschreibung des Auftrags gegen Konkurrenten durchsetzen, aber: "EADS Astrium ist sehr stark im sogenannten Space Segment". Auch der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, erklärte in Berlin, der Kompromiss ermögliche der deutschen Industrie, "technologisch anspruchsvolle und interessante Arbeitspakete zu erhalten".

Neben den beiden bereits im Bau befindlichen Bodenkontrollzentren in Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino soll in Spanien ein sogenanntes "Safety-of-Life"-Zentrum entstehen. Von dort aus soll nach den Worten von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot die Arbeit von Rettungsdiensten gesteuert werden, die künftig mit Unterstützung des Satelliten-Navigationssystems Galileo arbeiten könnten.

Spanien wünschte allerdings eine vollständige Bodenkontrollstation und bekam nun die Möglichkeit eingeräumt, das "Safety-of-Life"-Zentrum entsprechend zu erweitern - allerdings auf eigene Kosten. In der erst vergangene Woche beschlossenen Finanzplanung der EU für Galileo sind drei vollständige Bodenkontrollzentren nämlich nicht vorgesehen.

Das mögliche spanische Kontrollzentrum "berührt nicht die operationalen Kapazitäten und Dienste von Fucino und Oberpfaffenhofen", versicherte Tiefensee. Die spanische Regierung kämpfte bis zuletzt erfolglos dafür, ihrem Wunschprojekt einen festen Platz in der Galileo-Architektur zu verschaffen. Barrot erklärte dazu: "Wahrscheinlich wird man bei der Umsetzung von Galileo weitere Funktionen entdecken, die dann dem spanischen Zentrum übertragen werden können."

Bei der Ausschreibung des für EADS Astrium interessanten Satelliten-Segments plant die EU-Kommission ein Sondermodell: Von den 26 noch fehlenden Satelliten sollen zunächst nur zehn bis zwölf gebaut werden. Hält das Unternehmen, das den Zuschlag dafür bekommt, alle Fristen und Vorgaben ein, so bekommt es automatisch auch den Auftrag für eine zweite Tranche von sechs bis acht Satelliten und bei weiterem Wohlverhalten auch für den Rest.

Neben Bodenkontrolle und Satellitenbau soll es bei der Ausschreibung vier weitere Arbeitspakete geben. Ein einzelner Konzern soll für maximal zwei dieser Bereiche die Systemführerschaft erhalten. Zudem müsste er 40 Prozent seines Arbeitspakets an Subunternehmer weitergeben. Dies sei eine große Chance auch für den deutschen Mittelstand, erklärte Tiefensee.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Galileo - Schlaumacher zu Europas Navigationssystem

(ap)