1. Panorama
  2. Wissen
  3. Forschung

Hintergrund: Uran - vom Rohstoff bis zur Bombe

Hintergrund : Uran - vom Rohstoff bis zur Bombe

Ein Kernpunkt des Atomstreits mit dem Iran ist die Anreicherung des radioaktiven Schwermetalls Uran. Nach dem Atomwaffensperrvertrag darf der Iran Kernenergie zivil nutzen und dafür Uran anreichern. Der Westen befürchtet aber, dass Teheran das angereicherte Uran zum Bau einer Atombombe nutzen könnte.

In Natururan ist nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235 enthalten, der Rest ist nicht spaltbares Uran-238. Zur Verwendung in Kraftwerken muss die Uran-235-Konzentration auf zwei bis fünf Prozent erhöht werden. Rund 20 Prozent Anreicherung ist für diverse medizinische Zwecke nötig. Für Atomwaffen wird Uran-235 auf mindestens 80 Prozent, oft über 90 Prozent, angereichert.

Der Iran produziert in Natans südöstlich von Teheran seit 2007 bis fünf Prozent schwach angereichertes Uran. 2009 gab Teheran zudem die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage Fordo südlich von Teheran zu. In der unterirdischen Fabrik auf einem früheren Militärgelände wird Uran bis auf 20 Prozent angereichert.

Teheran setzt dafür Gaszentrifugen ein. Darin werden mit bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute die nicht benötigten und schwereren U-238-Atome an den Rand der Röhre gedrängt, während sich das leichtere U-235 in der Mitte sammelt. Technisch geschieht das in sogenannten Kaskaden aus bis zu 164 hintereinandergeschalteten Gaszentrifugen.

Für eine Atombombe ist eine "kritische Masse" des Spaltmaterials nötig. Sie ist so definiert, dass jedes bei der Kernspaltung freiwerdende Neutron eine weitere Kernspaltung auslöst, so dass sich eine Kettenreaktion selbst erhält. Für reines Uran-235 beträgt die kritische Masse 46,4 Kilogramm, was einer Kugel von knapp 17 Zentimetern Durchmesser entspricht.

Durch eine neutronenreflektierende Umhüllung - etwa aus Stahl - lässt sich die kritische Masse auf 16 Kilogramm reines Uran-235 verringern. Auch der Bau einer Atombombe mit weniger hoch angereichertem Uran ist möglich, doch braucht man dann wesentlich mehr Spaltmaterial.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Konflikt um Irans Atomanlagen

(dpa)