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TV-Krimi klärt auf: "Tatort": Machen Handys krank?

TV-Krimi klärt auf : "Tatort": Machen Handys krank?

Düsseldorf (RP). Millionen Zuschauer sahen am Sonntag einen "Tatort", in dem ein Handygegner vorführte, wie sich nach mobilem Telefonieren die Struktur seines Speichels veränderte. Forscher kennen den Effekt, können ihn aber nicht bewerten. Macht telefonieren mit dem Handy also wirklich krank? Eine Figur im jüngsten "Tatort" am Sonntag war davon überzeugt und machte zum Beweis den Speicheltest...

Die Spucke eines Menschen sieht vor dem Mobiltelefonieren anders aus als hinterher. Die "Tatort"-Autoren haben damit etwas aufgegriffen, das der Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechniker Bernd Kröplin herausgefunden hat: Unser Speichel entwickelt deutlich einfachere Strukturen, sobald wir unser Ohr wortlos mindestens zwei Minuten lang in die unmittelbare Nähe eines Handys bringen. Ein Beweis für die Schädlichkeit von Handystrahlung ist dies freilich noch nicht. Als gesichert gilt, dass Mobilfunk in jedem Falle den menschlichen Körper beeinflusst. So erwärmt er nachweislich das Körpergewebe: Wer also längere Zeit am Handy klebt, kann selbst ohne heiße Nachrichten heiße Ohren bekommen. Dieser Effekt lässt sich im Selbstversuch leicht testen. Außerdem kann es durchaus passieren, dass uns nach einem schnurlosen Langzeittelefonat im wahrsten Sinne das Wasser im Munde zusammen läuft, obwohl wir gar nicht über kulinarische Spezialitäten geredet haben.

Andererseits gibt es nachgewiesene Fälle von Mobilfunk-Paranoia. So berichtet Jiri Silny vom Aachener Forschungszentrum für Elektro-magnetische Umweltverträglichkeit von einem Haus, auf dem ein Mobilmast errichtet wurde, mit der Folge, dass plötzlich zahlreiche Bewohner über Kopfschmerzen und Schlafstörungen klagten. Der Haken daran: Der Mast war noch gar nicht eingeschaltet. Für Silny ein deutlicher Hinweis darauf, dass "die Angst vor Mobilfunkantennen gesundheitsschädlicher ist als die tatsächliche Strahlung". Trotzdem kann die Wissenschaft nicht ausschließen, dass die Strahlungen der dichtmaschig verteilten Basisstationen tatsächlich schadlos für die Gesundheit sind. "Ein Null-Risiko gibt es nicht", erklärt Rüdiger Matthes vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) räumt ein, dass es zu dem Thema zahlreiche Wissenslücken gebe, die unbedingt geschlossen werden müssten. Tests im Labor zeigten, dass die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks diverse nervliche Funktionen sowie den Mineralien- und Wasserhaushalt verändern. Zudem fördern sie das Wachstum von Tumorzellen, vermutlich dadurch, dass sie krebsauslösenden Substanzen den Eintritt in die Körperzellen erleichtern. Nichtsdestoweniger existieren bislang keine verlässlichen Beweise dafür, dass Vieltelefonierer und die Anwohner von Mobilfunkmasten einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind. Allerdings wiesen italienische Neurologen nach, dass lange Handy-Telefonate unsere Hirnströme verändern. Studienleiter Paolo Rossini kann sich durchaus vorstellen, dass dieser Effekt einen negativen Einfluss auf Epilepsie-Patienten hat. Die Anwohner von Basisstationen berichten oft über Schlafstörungen, doch wodurch diese letzten Endes ausgelöst werden, ist offen.

Die ursprüngliche Vermutung jedenfalls, wonach der Mobilfunk in unserem Hirn den Pegel des Schlafhormons Melatonin nach unten drückt, könne, wie das Bundesamt für Strahlenschutz in einer aktuellen Studie mitteilt, nicht bestätigt werden. Norbert Honisch vom Ingenieurbüro für Umweltstress-Analytik in St. Johann betont jedoch, dass viele Kinder mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen eine Besserung, auch in der schulischen Leistung, erfahren, "wenn sie aus den Strahlungsfeldern herauskommen". Britische Mediziner warnen ferner vor mobilem Telefonieren bei Gewitter. Anlass ist der Fallbericht eines 15-jährigen Mädchens, das beim Telefonieren vom Blitz getroffen wurde. Durch das Handy an ihrem Ohr konnte sich die Energie des Blitzes problemlos auf ihren Körper übertragen.