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Superstar der Physik: Stephen Hawking wird 70

Superstar der Physik : Stephen Hawking wird 70

Seit fast 50 Jahren lebt der bedeutende britische Physiker mit der Nervenkrankheit ALS. Trotzdem gelangen ihm bahnbrechende Forschungen und der Aufstieg zu einem Superstar der Physik mit millionenfach verkauften populärwissenschaftlichen Büchern. Am Sonntag wird er 70 Jahre alt.

Er gilt als einer der klügsten Köpfe unseres Planeten und ist zugleich einer der bekanntesten Rollstuhlfahrer der Welt: Am 8. Januar 2012 wird der Cambridge-Professor Stephen Hawking 70 Jahre alt. Zu seinen Erfolgen gehört, dass er Anfang der 1970er Jahre voraussagte, dass Schwarze Löcher unter bestimmten Umständen Energie verlieren. Hawking konnte theoretisch nachweisen, dass selbst diese lichtschluckenden Materiefallen einen Rest von Strahlung abgeben. Diese 1974 veröffentlichte Theorie der "Hawking-Strahlung" brachte ihm wissenschaftlichen Weltruhm ein.

Erstmals war es damit gelungen, die Einsteinsche Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik zu vereinen. Nach dem Erfolg seiner theoretischen Arbeit wurde Hawking 1979 auf den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik berufen, einen der prestigeträchtigsten Lehrstühle von Cambridge, den vor ihm schon Isaac Newton (1643 — 1727) innehatte. Bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 2009 lehrte Hawking in Cambridge.

Seine wissenschaftliche Karriere hatte der Physiker mit einem Bachelorstudium an der Trinity Hall in Oxford begonnen. Dort trat er allerdings mehr als Steuermann des Oxford-Achters in Erscheinung denn als wissenschaftliches Wunderkind. Parallel zum Examen 1962 zeigten sich bei dem nach Cambridge gewechselten Doktoranden Muskelbeschwerden — erste Anzeichen von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), einem unheilbaren Leiden, bei dem sich die Muskulatur und das Nervensystem zurückbilden. 1965 heiratet er Jane Wilde, mit der er drei Kinder bekam.

Dass Stephen Hawking seinen 70. Geburtstag feiern kann, grenzt an ein Wunder. "Hawkings Fall ist außerordentlich", erklärt der Direktor des ALS-Forschungszentrums am Londoner King's College, Ammar Al-Chalabi. "Ich weiß von niemanden, der so lange überlebt hat." Bei einem Krankheitsverlauf wie bei Hawking leben Patienten normalerweise nur bis zu zehn Jahre nach Ausbruch der Krankheit. Seit einem Luftröhrenschnitt 1985 kann Hawking nur noch über einen Sprachcomputer, den er mit den Augen und einer Wange steuert, kommunizieren.

Bekanntheit erlangte Hawking erst mit seinem Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit". In diesem mehr als zehn Millionen Mal verkauften Buch beschäftigt sich der Physiker mit dem Urknall, Schwarzen Löchern und der Rolle der Zeit. In anschaulicher Weise gelingt es ihm, komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte auch für den Laien verständlich zu erklären. Bis auf E = mc2 benützt Hawking keine Formel, denn sein Verleger hatte ihn gewarnt, dass sich pro Formel seine Leserschaft halbieren würde.

"Eine kurze Geschichte der Zeit" erschien im April 1988 und hielt sich 237 Wochen in der Bestseller-Liste der Sunday Times — länger als jedes andere Buch. Zahllose Vorträge, Interviews, TV-Auftritte und Titelgeschichten in internationalen Magazinen folgten.

Nach diesem unerwarteten Erfolg brachte Hawking in den 90er Jahren eine ganze Reihe äußerst erfolgreicher, populärwissenschaftlicher Bücher heraus. Zusammen mit seiner Tochter Lucy Hawking schrieb er auch zwei Kinderbücher — "Der geheime Schlüssel zum Universum" und "Die unglaubliche Reise ins Universum".

Trotz des fortgeschrittenen Stadiums seiner Krankheit erfüllte sich Hawking zu seinem 65. Geburtstag einen Traum: Er nahm an einem Parabelflug teil, bei dem für mehrere Sekunden Schwerelosigkeit erzeugt wird. Es war das erste Mal seit 40 Jahren, dass er sich ohne seinen Rollstuhl bewegen konnte.

In einem Gespräch mit der Zeitung "The Guardian" erklärte Hawking das Phänomen seiner Bekanntheit: "Ich bin der Archetyp eines behinderten Genies. Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige." Ein Mysterium erscheint allerdings selbst ihm unergründlich: "Frauen. Sie sind ein komplettes Rätsel", sagte er vor kurzem in einem Interview.

Auf die Frage, ob er Angst vor dem Tod habe, antwortete Hawking: "Ich habe es nicht eilig zu sterben, denn ich habe noch so viel Dinge, die ich tun will." Es ist wohl dieser Lebenswille, der Hawking zum bekanntesten Physiker seit Einstein gemacht hat.

(RP/das)