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Kopf des Komponisten rekonstruiert: So sah Bach aus

Kopf des Komponisten rekonstruiert : So sah Bach aus

Berlin (RPO). Vor bereits 257 Jahren starb der Komponist Johann Sebastian Bach (1685-1750). Dennoch ist es einer Anthropologin gelungen, ihn wieder ein wenig zum Leben zu erwecken, indem sie seinen Kopf samt der nach forensischen Maßstäben gebildeten Gesichtsform rekonstruierten. Am Montag wurde diese Nachbildung der Öffentlichkeit in Berlin zum ersten Mal präsentiert.

Das Abbild zieht die Augenbrauen leicht zusammen, ein mildes Lächeln liegt ihm auf den Lippen. "Es gibt nur ein Gemälde, das den Anspruch erheben kann, Bach so zu zeigen, wie er aussah", sagt Jörg Hansen, Direktor vom Bachhaus Eisenach. Es handelt sich dabei um das Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann aus dem Jahr 1746, das Hansen hochhält. Es sei das einzige Porträt, für das Bach selbst Modell gesessen habe. Deutlich erkennbar seien die Übereinstimmungen zwischen Bild und Rekonstruktion. Besonders der Aufbiss-Unterbiss des Bachschen Kiefers sei ein ausgeprägtes Charakteristikum.

Bereits 1894 sei nach einer Ausgrabung der Gebeine Bachs auf dem Leipziger Johannisfriedhof versucht worden, anhand der Schädelmaße das Gesicht des Komponisten zu rekonstruieren, sagt Hansen. Der Leipziger Anatom Wilhelm His und der Bildhauer Carl Ludwig Seffner hätten nach ausführlichen Untersuchungen an sächsischen Männerleichen eine Bach-Büste geschaffen.

"Die Rekonstruktion folgt der Gesichtsanatomie", sagt die schottische forensische Anthropologin Caroline Wilkinson von der Universität Dundee. Sie hatte bereits die Konterfeis des Pharaos Tutanchamun und des heiligen Nikolaus rekonstruiert. Die 42-Jährige zog anhand des von His und Seffner angefertigten Bronzeabgusses von Bachs Schädel Rückschlüsse auf dessen Gewebe, die Muskelstränge und Fettschichten. Die gerichtsmedizinischen Möglichkeiten seien heute größer als vor 100 Jahren, sagt sie. "Es lässt sich genauer sagen, wie sich Knochen auf Gewebe auswirken und etwa die Nasenform beeinflussen."

Über drei Jahre hinweg hat Wilkinson an Bachs Antlitz gearbeitet. Die Maße des Schädels wurden per Laser in einen Computer gelesen, danach kamen aktuelle Erkenntnisse über das Verhältnis von weichem und festem Gewebe zur Anwendung. Das fertige Computermodell wurde dann in eine Form gegossen. Ein Hauch der amerikanischen Serie "CSI" weht durch den Hörsaal, als die Spezialistin erklärt, dass jene Techniken auch bei der forensischen Identifikation in Kriminalfällen zum Einsatz kommen.

Stolz verkündet der Direktor des Bachhauses, dass ein Ausguss der Hirnschale Bachs zu den weiteren Höhepunkten der Sonderausstellung "Bach im Spiegel der Medizin" zählt, die am 21. März in Eisenach anlässlich des 100. Jahrestages der Einweihung des Denkmals eröffnet wird. Eine neue Rekonstruktion des "Gehirns" nach heutigen Maßstäben ist indes nicht geplant.

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(afp)