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High-Tech im Olympiastadion: Roboter sichern die WM

High-Tech im Olympiastadion : Roboter sichern die WM

Berlin (RP). 20 Roboter bewachen das Berliner Olympiastadion, rund um die Uhr. Sie patroullieren durch Tiefgaragen und Lagerhallen mit Kameras, Temperaturmeldern, Infrarotscannern, Geigerzählern. Ihr Radar "spürt" Menschen, selbst durch Mauern hindurch. Ihre Sensoren fahnden in der Luft nach biologischen und chemischen Kampfstoffen.

Berlin (RP). 20 Roboter bewachen das Berliner Olympiastadion, rund um die Uhr. Sie patroullieren durch Tiefgaragen und Lagerhallen mit Kameras, Temperaturmeldern, Infrarotscannern, Geigerzählern. Ihr Radar "spürt" Menschen, selbst durch Mauern hindurch. Ihre Sensoren fahnden in der Luft nach biologischen und chemischen Kampfstoffen.

Es ist Nacht im Berliner Olympiastadion. In den Katakomben unter den Tribünen herrscht gespenstische Stille. Am Freitag soll hier auf dem Rasen das WM-Vorrundenspiel Ukraine gegen Tunesien ausgetragen werden. Doch wie immer bei den Großereignissen der letzten Jahre haben die Verantwortlichen Angst vor terroristischen Anschlägen.

Deshalb wird das Olympiastadion während des Weltturniers rund um die Uhr bewacht. Es sind allerdings keine Wachmannschaften oder aufwendig installierte Kameras und Bewegungsmelder, die das riesige Gelände observieren, sondern autonome Roboter, die ihre Daten in die Sicherheitszentrale des Stadions, die so genannte Skybox, schicken. 20 dieser "vollautomatischen Wächter" patrouillieren jede Nacht rund um das Stadion.

Sie bekommen eine Karte des Geländes einprogrammiert und bewegen sich dann selbstständig. Der Freilandroboter OFRO geht in den Außenbereichen und den Zaunanlagen auf Streife. Sein Kollege, der Indoor-Roboter MOSRO, wird für die Überwachung von Innenräumen, Tiefgaragen und Lagerbereichen eingesetzt. Beide Roboter sind mit Videokameras, Radarsensoren, Temperaturmeldern und Infrarotscannern ausgerüstet.

"Durch Radarsensoren können sie menschliche Körper sogar durch Mauern hindurch identifizieren", sagt der Roboter-Entwickler Jens Hanke von der Berliner Firma Robowatch. Und die Roboter können noch mehr: Mit einem Geigerzähler kann OFRO Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlungen detektieren, ein Biosensor kann biologische Giftstoffe erkennen, und ein "Multi Gas Scanner" spürt über Ionenspektrographie chemische Kampfstoffe wie Nerven- oder Lungengase auf.

Schlechte Karten also für Einbrecher und Terroristen. Auch Feuer kann entdeckt werden. Der Innenraumroboter MOSRO inhaliert regelmäßig die Raumluft und kann mittels eines eingebauten Kohlenmonoxidsensors Brandgase sofort erkennen. In der Skybox des Olympiastadions observieren die diensthabenden Sicherheitsleute eine Reihe von Monitoren.

Mit einem speziell konzipierten Programm können sie sich durch die von den Robotern per UMTS in Echtzeit gelieferten Daten hindurchklicken. So haben sie die Möglichkeit, nicht nur Bilder, sondern auch chemische und physikalische Werte abzufragen. Sollten die Roboter allerdings etwas besonders Auffälliges wie einen Eindringling oder eine gesundheitsbedrohende Gaskonzentration entdecken, schlagen sie von ganz alleine Alarm.

Dann kann der Einsatzleiter den sonst selbstständigen Roboter von der Leitzentrale aus selbst lenken und an die Problemstellen schicken. "Die Steuerung der Roboter ist auf einem Linux-System mit übersichtlicher grafischer Benutzeroberfläche realisiert und schnell zu erlernen", meint Hanke.

Normalerweise müssten bei einem Großereignis wie der Weltmeisterschaft Dutzende von Kameras, dazu Bewegungsmelder und andere Sensoren installiert werden. "Das wäre wesentlich aufwändiger und teurer, als mit den mobilen Robotern zu arbeiten", sagt der Unternehmenssprecher von Robowatch Benjamin Stengl. "Außerdem brauchen die Sicherheitsfirmen die Roboter nur für vier Wochen anzumieten, während die Kameras, Kabel und anderes Gerät neu eingekauft werden müsste."

(Rheinische Post)