Kommentar zum Durchbruch in der Klonforschung Riskantes Klonen

Berlin · Die Nachricht aus den USA, dass es erstmals gelungen sei, menschliche Zellen in embryonale Stammzellen umzuwandeln, ist kein Anlass zur Freude. Die Wissenschaftler beteuern, sie seien nur daran interessiert, zur Heilung von Krankheiten, ihre Klon-Künste einzusetzen. Doch die Gefahr, dass bei dieser Art von Experimenten, die Würde menschlichen Lebens missachtet wird, ist groß.

Stammzelle: Was ist das?
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Foto: ddp

Aus diesem guten Grund ist es in Deutschland verboten, künstlich menschliches Leben zu erzeugen, um es anschließend für medizinische Zwecke zu verbrauchen. Die künstliche Befruchtung ist zu Recht nur zur Fortpflanzung gestattet. Abgesehen von der schwierigen Grenzziehung wecken die Wissenschaftler mit jeder Sensationsmeldung zum Klonen enorme Heilserwartungen. Sie stellen in Aussicht, dass man mit Hilfe der embryonalen Stammzellen eines Tages Krankheiten wie Diabetes, Multiples Sklerose oder Parkinson wird heilen können. Doch kein Mensch weiß, ob diese Verheißungen auch nur in Jahrzehnten erfüllt werden können.

Unbeantwortet ist auch die Frage, wie Heilung durch embryonale Stammzellen in der Praxis funktionieren soll, wenn auf diesem Gebiet tatsächlich ein Durchbruch gelingen sollte. Denn für die Herstellung der embryonalen Stammzellen bedarf es einer Eizelle. Um diese zu gewinnen, müssen sich Frauen einer Hormonbehandlung unterziehen, durch die in einem Zyklus mehrere solcher Eizellen produziert werden. Anschließend werden die Eizellen durch einen operativen Eingriff entnommen. Dieses Verfahren ist für die Gesundheit der Frauen riskant.

Ihnen dafür Geld zu bezahlen, ist ethisch nicht minder verwerflich, als jemandem eine Niere abzukaufen. Auch solche Praktiken sind in Deutschland zu Recht verboten. Lebensbedrohliche Krankheiten mit körpereigenen Zellen zu heilen, ist ein berechtigtes Anliegen. Denn bei diesen Zellen läuft der Patient nicht Gefahr, dass sein Körper dieses Ersatzgewebe wieder abstößt. Die Wissenschaftler sollten weiter an dieser Möglichkeit forschen. Doch dafür müssen sie kein menschliches Leben im Labor heranzüchten. Auf diesem Gebiet haben Wissenschaftler international mit den ethisch unproblematischen adulten Stammzellen schon aussichtsreiche Ergebnisse erzielt.

(qua)
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