Neues Fahrzeug für die Bundeswehr: Probefahrt im Panzerwagen

Neues Fahrzeug für die Bundeswehr: Probefahrt im Panzerwagen

Aachen (RP). Die Bundeswehr erhält für ihre Soldaten in Afghanistan 198 neue Geländefahrzeuge vom Typ Mowag "Eagle IV". Das Gefährt soll die Insassen bei schwersten Minenexplosionen schützen. Eine Testfahrt.

Der Neue bei der Bundeswehr wartet in der Halle. Der erste Eindruck: ein kompaktes Kraftpaket, deutlich größer als der Mercedes-Geländewagen "Wolf", den er in Afghanistan teilweise ersetzen soll. "Das muss so sein", erläutert Hauptmann Simon Schwägerl.

Der Mowag "Eagle IV" (Adler 4) soll seinen Insassen optimalen Schutz bei schwersten Minenexplosionen, vor improvisierten Sprengfallen am Straßenrand, Panzerfaust-Beschuss und Angriffen von Selbstmordattentätern bieten. Das, so der Hauptmann, "wirkt sich natürlich auf das Gewicht aus".

An der Technischen Schule Landsysteme des Heeres in Aachen wird der Geländewagen des schweizerischen Herstellers Mowag zurzeit fit gemacht für den Dienst bei der Bundeswehr: Welche Werkzeuge werden benötigt, welcher Diagnose-Laptop? Was müssen die Instandsetzer in der Truppe wissen? Das Team um Simon Schwägerl, Bevollmächtigter Vertreter beim General Heereslogistiktruppen, kümmert sich darum und gestattete unserer Zeitung einen ungewöhnlichen "Autotest".

Klare Sicht trotz Panzerglas

Der Einstieg in die gepanzerte Transportzelle für vier bis fünf Soldaten ist mit etwas Kletterei verbunden, weil der Fahrer sehr hoch sitzt — wegen der nötigen Bodenfreiheit eines Geländewagens, und der ausgeklügelten Schutztechnik. So ist der "Eagle" noch einmal schalenartig von unten verkleidet, damit bei Treffern nach innen abplatzendes Material die Insassen nicht verletzen kann. Auch sind die Sitze nicht direkt mit dem Fahrgestell verbunden, um die Wucht einer Sprengung abzumildern. Man sitzt trotzdem bequem; der Ausblick durch dickes Panzerglas ist überraschend klar und verzerrungsfrei.

Auffallend: Die ungewöhnlich dicken Knöpfe und Schalter. "Die muss ein Soldat mit Handschuhen bedienen können", erläutert Schwägerl. Ein schlaues Detail: Der "Eagle" braucht nicht wie herkömmliche Geländewagen kurz anzuhalten, wenn das Umschalten vom Straßen- in den Geländemodus des Getriebes nötig wird. Der Grund: Ein rollendes Fahrzeug ist schwerer zu treffen.

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Die Tür wiegt ungewohnt viel und hat kein Fenster zum Öffnen, weil das den Schutz verringern würde. Man muss sie zusätzlich noch kräftig mit einen Hebel schließen — die Minenschutzverriegelung, damit die "Schwachstelle Tür" bei einer Explosion nicht aus der Verankerung gerissen werden kann.

27 Liter auf 100 Kilometer

Der "Eagle" ist ausgesprochen geräumig und vermutlich von jedem Führerscheininhaber mühelos zu bedienen: Zündschlüssel, Automatik-Schaltung, Tachometer, Drehzahlmesser, Standheizung, Display — alles wie bei einem normalen Auto. In Afghanistan oder dem Kosovo sind die Ortsdurchfahrten und Wege häufig eng und fordern vom Fahrer Millimeterarbeit. Große Spiegel und eine Rückfahrkamera erleichtern die Übersicht, die klaren, kantigen Formen das präzise Manövrieren.

Mit 110 km/h ist der "Eagle" kein Sprinter. Dafür schleppt er ein zu dickes "Fell" mit sich herum, was ihn insgesamt 8,5 Tonnen schwer macht. Klettern kann er aber gut: Steigungen bis 60 Prozent und 40 Zentimeter hohe Hindernisse wie Baumstämme sind kein Problem.

Das "rollende Sicherheitspaket" kann sogar fliegen: Es ist von Gewicht und den Abmessungen her für den Transport in Flugzeugen oder als Außenlast von Hubschraubern konzipiert. Privatleute dürften sich schwer tun, einen "Eagle IV" zu kaufen: Die Bundeswehr-Version kostet alles in allem pro Stück 534.000 Euro.

Der Spritverbrauch des 245-PS-Turbodiesels liegt mit 27 Litern auf 100 Kilometer auch nicht gerade im Pkw-Bereich. Die Probefahrt mit dem Aachener "Adler" endet mit einem kleinen Sprung aus der Fahrgastzelle auf den Hallenboden. Für die Bundeswehr, so versichern die Experten, ist der neue Geländewagen zum Schutz ihrer Soldaten ein großer Sprung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der neue Panzerwagen "Eagle IV"