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Michael Marmann über die Digitale Lehre in Corona-Zeiten

Serie Forscher in der Region : Chancen für die digitale Lehre der Zukunft

Die Hochschule Düsseldorf hat sich auf die neuen Herausforderungen des virtuellen Studienbetriebs eingestellt. Mit modernen Konferenz-Systemen kann das Seminar für Studierende auch im virtuellen Raum gelingen.

Lehrende an Hochschulen sind es gewohnt, gemeinsam mit Studierenden im Hörsaal, im Seminarraum oder in einem Labor zu sein. Dann kam Corona, und alles musste von jetzt auf gleich anders werden. Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass das Sommersemester 2020 an den Hochschulen in NRW überwiegend online stattfinden würde, dann hätte ich zumindest Zweifel angemeldet, ob das wohl gelingt.

Aber jetzt sind bereits viele Lehrende tatsächlich in virtuellen Seminarräumen unterwegs, veranstalten Webinare, füllen Lernplattformen mit digitalen Inhalten und führen Gremiensitzungen über Videokonferenzen durch – und das alles in privater Umgebung.

Und war es einfach? Keineswegs! Mit einem Kraftakt hat sich die Hochschule Düsseldorf mit allen Hochschulangehörigen auf sich fast täglich ändernde Anforderungen eingestellt und tut es noch. Ähnliches gilt auch für alle anderen (Hoch)Schulen des Landes. Und diese Prozesse sind noch lange nicht abgeschlossen, selbst wenn es allmählich Lockerungen gibt.

Und so musste sich auch die lehrende Zunft umstellen und darüber nachdenken, wie denn der zu vermittelnde Stoff zu den Studierenden kommt, wie geprüft wird und wie man mit den Studierenden live zusammenarbeitet. Lösungen dafür gibt es seit Langem: etwa E-Learning und Lernplattformen, virtuelle Klassenräume oder Videoconferencing-Systeme, professionelle Team-Messenger und digitale Kanbanboards. Sogar für die Durchführung von Online-Prüfungen von zuhause aus gibt es teils automatisierte Lösungen bis hin zum sogenannten Online-Proctoring, also der Live-Überwachung des Ablegens von Online-Prüfungen.

Wenn es das alles gibt, warum fiel oder fällt es trotzdem oft noch schwer, die Lehre auf „Coronamodus“ umzustellen? Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, die von Hochschule zu Hochschule stark variieren. Sie reichen etwa von fehlenden oder unzureichenden zentralen Strukturen für die digitale Lehre bis hin zu einer vernachlässigten Entwicklung der Digitalkompetenzen von Hochschulangehörigen, zum Beispiel durch adäquate Weiterbildungsangebote. Auch mangelt es häufig schlichtweg an Erfahrungen im Umgang mit den genannten Lösungen, oder die Lehrinhalte eignen sich nicht für eine digitale Verbreitung oder das Selbstlernen. Was aber in der Vergangenheit versäumt wurde, rächt sich in Zeiten der Krise und lässt sich leider auch mit großen Anstrengungen nicht schnell nachholen. Ähnliches gilt im Übrigen auch für die Arbeitswelt. Der renommierte Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat mit seiner „Future Skills“ Initiative bereits 2018 auf notwendige Schlüsselkompetenzen digitaler und nicht digitaler Art hingewiesen – damalige Future Skills, die gerade jetzt dringend benötigt werden.

Doch zurück zur Praxis. Wie lehren und lernen wir jetzt an der Hochschule? Ich möchte dies am Beispiel eines Seminars verdeutlichen: Ein Seminar lebt unter anderem von spannenden Themen und von der Interaktion zwischen allen Teilnehmern. Nun kommt aber die räumliche Distanz dazu. Bei 25 Teilnehmern ist es wichtig, buchstäblich alle Personen im Blick zu haben, um sie jederzeit unmittelbar ansprechen zu können. Hierbei kommen nun moderne Videoconferencing-Systeme zum Einsatz. Alle Personen sind in 25 Kacheln gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen und zu hören. Dazu sieht man gleichzeitig auch deren Namen, was bei der persönlichen Ansprache hilft. Und weil ein virtueller Raum zeitlich terminiert werden kann, sind auch alle pünktlich „vor Ort“, um nicht vor verschlossener (virtueller) Tür zu stehen. Die Nutzung eines solchen Raums setzt also eine gewisse Disziplin auf allen Seiten voraus. Dazu gehört auch, dass alle das Mikrofon ausstellen, wenn sie gerade nicht sprechen. So etwas spielt sich aber schnell ein.

Es werden auch Bildschirme übertragen – entweder vom Dozenten oder von den Teilnehmern, um beliebige Inhalte zu präsentieren und zu diskutieren. Ein aufgeräumter Desktop und abgeschaltete Mitteilungen sind da sehr hilfreich. Ein weiteres zentrales Element ist ein digitales und für jeden einsehbares Kanbanboard, das alle erarbeiteten Inhalte der Teilnehmer und den gesamten Seminarverlauf enthält. Und nicht zuletzt lässt sich auch Gruppenarbeit sehr einfach über sogenannte Breakout-Sessions realisieren.

Und was kommt nach Corona? Durch Corona ist das Bewusstsein für den Nutzen digitaler Lern- und Arbeitsprozesse nicht nur an den Hochschulen geschärft worden. Die Versäumnisse der Vergangenheit wurden zwar nicht wettgemacht, aber durch eilig herbeigeführte Maßnahmen in ihren Auswirkungen abgemildert. Hierauf lässt sich weiter aufbauen. Corona ist daher auch ein Weckruf im Hinblick auf die künftige Entwicklung digitaler Kompetenzen für alle Lebens- und Arbeitsbereiche und für eine beschleunigte, intensivierte Digitalisierung der Hochschullehre. Das neue Zentrum für Digitalisierung und Digitalität an der Hochschule Düsseldorf (ZDD) wird in Zukunft hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Aber vor allem freue ich mich wieder auf das rege Treiben auf dem schönen Campus der HSD – ganz unvirtuell.