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K.o-Tropfen: Wie sie wirken, wie man sie nachweist und wie man sich schützt

Euphorisch, enthemmt, bewusstlos... : Wie K.o-Tropfen wirken und wie man sich vor ihnen schützt

Man sieht, riecht und schmeckt sie nicht – in ihrer Wirkung aber sind K.o.-Tropfen folgenreich. Nach einem Witz der Komikerin Joyce Ilg über die Droge wird darüber diskutiert, wie gefährlich solche Mittel überhaupt sind. Was genau sind K.o.-Tropfen, wie wirken sie und wie schützt man sich?

Inhalt des Artikels

Nichts geht mehr – vollkommener Blackout. Filmriss. Was für Opfer von K.o.-Tropfen oft bleibt, ist eine Erinnerungslücke, in der mehrere Stunden des Lebens versinken, als wären sie niemals da gewesen. Das, was in dieser Zeit geschah, ist in der Regel traumatisierend: Raub, sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung.

Unbemerkt in einen Drink oder ins Essen gemischt sorgen solche sogenannten K.o.-Tropfen dafür, vor allem junge Frauen zur leichten Beute ihrer Täter zu machen. Nur wenige Tropfen reichen, um sie innerhalb weniger Minuten handlungsunfähig zu machen.

Knockout - abgekürzt K.o. - dieser Begriff kommt ursprünglich aus dem Boxsport. Er bezeichnet den Moment, in dem der Gegner nicht mehr in der Lage ist, den Boxkampf fortzuführen und für sich zu entscheiden. Weil Betäubungsmittel wie ein Knockout handlungsunfähig machen, hat sich bei ihrem Einsatz in der Partyszene auch der Begriff K.o.-Tropfen durchgesetzt. Polizei, Opferschutznetzwerke oder Suchtmediziner warnen seit vielen Jahren vor Partydrogen, die vor allem dazu benutzt werden junge Frauen „außer Gefecht“ zu setzen. Für die ahnungslosen Opfer ist ein solches Erlebnis mitunter traumatisierend.

Was sind K.o.-Tropfen?

Unter K.o.-Tropfen versteht man Betäubungs-, Schlaf- und Narkosemittel, die benutzt werden, um ahnungslose Opfer gezielt handlungsunfähig zu machen. Zu diesen zählen vor allem die Partydrogen GHB (Gammahydroxybuttersäure) oder GBL (Gammahydroxybutyrat) – auch bekannt als Liquid Ecstasy, Liquid X, Gamma, Fantasy, Bottle, Liquid E oder Soap. Verbreitet sind daneben aber auch Mixturen aus Wirkstoffen wie Benzodiazepinen, Chloralhydrat und Barbituraten.

Weil solche Mittel farb- und geruchslos sind, können sie meist unbemerkt verabreicht werden. Einige Mittel schmecken leicht salzig oder seifig, sind jedoch in Mixgetränken kaum wahrnehmbar.

Wie schnell und wie lang wirken sie?

K.o.-Tropfen wirken unterschiedlich schnell und verschieden lange. Im Schnitt tritt eine Wirkung nach zehn bis 15 Minuten ein und hält durchschnittlich für vier bis sechs Stunden an.

Welche Wirkung haben K.o.-Tropfen?

Betroffene beschreiben häufig ein vernebeltes Gefühl. Das Sprechen wird oft schwieriger, ebenso wie die Fähigkeit klare Gedanken zu fassen. Weitere Anfangssymptome wie Übelkeit, Schwindel, Verwirrtheit oder Desorientierung erinnern anfänglich an einen Alkoholrausch und werden damit auch verwechselt. In geringer Dosierung wirken die Drogen zunächst oft berauschend, euphorieauslösend und enthemmend, weshalb die Mittel mitunter auch freiwillig als Partydroge konsumiert werden.

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In mittlerer Dosis wirken K.o.-Tropfen hingegen betäubend und einschläfernd. Bei höherer Dosis machen die Mittel bewusstlos oder können laut Informationen des Opferschutznetzwerks „Weißer Ring“ Atemprobleme verursachen.

Was macht sie so gefährlich?

Die Mittel sind schlecht zu dosieren. Ein Milliliter zu viel kann einen Atemstillstand oder Koma auslösen - erst recht, wenn die Einnahme in Zusammenhang mit Alkohol oder anderen Drogen erfolgt.

Wie lange ist der Nachweis von K.o.-Tropfen möglich?

Während sogenannte Benzodiazepine und Ketamin oft über mehrere Tage in Blut und Urin nachweisbar sind, sind einige Substanzen schon nach wenigen Stunden verschwunden, da sie sehr schnell verstoffwechselt werden. GBL und GHB beispielsweise lassen sich im Blut für maximal sechs Stunden und im Urin nur rund acht bis zwölf Stunden nachweisen. Danach ist laut Informationen der Drogenhilfe Köln eine Unterscheidung vom natürlichen GHB-Spiegel kaum mehr möglich. Beim Verdacht, Opfer von K.o.-Tropfen geworden zu sein, ist darum schnelles Handeln wichtig. Über eine Blut- oder Urinprobe, die am besten im Krankenhaus oder bei einem rechtsmedizinischen Institut abgenommen werden sollten, ist eine Analyse möglich.

Wie ist die gesetzliche Lage?

GHB fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Das bedeutet, dass der Handel, Besitz, Kauf, die Abgabe und auch die Verabreichung dieser Droge strafbar sind. Das Problem sind allerdings Vorläufersubstanzen von GHB, wie beispielsweise das viel verwendete Lösungsmittel GBL. Diese sind legal im Chemikalienhandel erhältlich und sogar in einigen Reinigungsmitteln enthalten. Das macht es mitunter leicht, an solche Stoffe heranzukommen. Da die Opfer oft einen völligen Filmriss erleiden, der die Erinnerungen an Ereignisse mehrerer Stunden löscht, begreifen Betroffene oft erst nach einiger Zeit, was mit Ihnen passiert ist. „Viele schämen sich oder suchen die Schuld bei sich“, wissen die Experten vom Opferschutz „Weißer Ring“. Darum wird häufig erst viel zu spät oder gar keine Anzeige erstattet. Das sollte man jedoch unbedingt tun.

Wie schützt man sich?

  • Getränke oder Speisen sollten nicht unbeaufsichtigt bleiben.
  • Keine offenen Getränke von Fremden annehmen.
  • Bei Auftreten von Übelkeit oder Schwindel sofort andere informieren und um Hilfe bitten.
  • Bei Unwohlsein sofort die Party oder Veranstaltung verlassen.
  • Bei Verdacht auf die Gabe von K.o.-Tropfen sofort einen Arzt oder die Notfallambulanz aufsuchen.
  • Im Zweifel die Polizei verständigen (Notruf unter 110) oder den Rettungsdienst anfordern (Notruf 112).
  • In Apotheken und Drogeriemärkten sind K.o.-Tropfen-Armbänder erhältlich. Diese sind mit zwei Testfeldern versehen, auf denen man seinen Drink auf K.o.-Tropfen testen kann.