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Neue Oberflächenbeschichtung: Kakerlaken verlieren Halt

Neue Oberflächenbeschichtung : Kakerlaken verlieren Halt

London (RPO). Insekten können dank einer neuartigen Beschichtung buchstäblich keinen Tritt mehr auf glatten Oberflächen fassen. Das Harz aus sogenannten Polyimiden wurde von Wissenschaftlern an der britischen Universität Cambridge entwickelt, die mit dem Stoff Glasstäbe beschichteten. Kakerlaken, die ohne das Harz die Stäbe noch mühelos emporgeklettert waren, rutschten auf der neuen Beschichtung ab.

Die Polyimide saugten das Wasser aus dem Haftfilm, den eine Reihe von Insektenarten absonderten, und machten den Insektenleim somit unwirksam, erklären die Forscher. Sie könnten dank des Harzes von Oberflächen ferngehalten werden, berichtet der Online-Dienst des "New Scientist".

Viele Insekten bilden einen leimähnlichen Film, mit dem sie auch auf glatten Oberflächen haften können. Dieser Film ist aus Öl und Wasser zusammengesetzt und genau das machten sich die Forscher nun zunutze: Sie fanden heraus, dass Polyimide, Kunststoffpolymere mit einer sogenannten Imidgruppe, dem Insektenleim das Wasser entziehen - und damit den Insekten den Boden unter den Füßen. Ohne das Wasser bleibt nämlich nur ein dünner Ölfilm auf den Insektenfüßchen zurück und die Tiere rutschen ab.

Um ihre Harze zu testeten, köderten die Forscher Kakerlaken mit Apfelstücken, welche die Tiere nur erreichen konnten, wenn sie Glasstäbe mit unterschiedlichen Beschichtungen hochkletterten. Während dies für die Kakerlaken zum Beispiel bei teflonbeschichteten Stäben kein Problem war, fanden sie an den mit Polyimid-Harzen beschichteten Stäben keinen Halt.

Insektenbekämpfung 2.0

Diese Entdeckung könnte die Basis für die Entwicklung von neuen Hilfsmitteln zur Insektenbekämpfung sein, denn die Harze haben nach Angaben der Forscher noch eine weitere vorteilhafte Eigenschaft: "Das dem Leim entzogene Wasser verdampft schnell - so ist das Harz immer wieder wirksam und muss nicht ständig ersetzt werden. Das ist weit kostengünstiger und umweltverträglicher als konventionelle Methoden zur Insektenbekämpfungen", erklärt der Zoologe Jan-Henning Dirks von der Universität Cambridge, dessen Team die Polyimid-Harze entwickelt hat.

Die neue Technologie schlage vorerst aber nur bestimmte Insekten in die Flucht, zum Beispiel die getesteten Kakerlaken, schränkt Dirks ein. Die Taktik dieser Tiere besteht darin, die Reibung zwischen einer Oberfläche und ihrem Körper mit ihrem Leim zu erhöhen und so ein Abrutschen zu vermeiden. Im Gegensatz dazu setzten andere Arten auf physikalische Wechselwirkungen - sie können auch auf den Harzen haften.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die geheime Welt der Insekten

(DDP/felt)