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China: Höchste Eisenbahnlinie der Welt eröffnet

China : Höchste Eisenbahnlinie der Welt eröffnet

Golmud (rpo). In China ist nach fünf Jahren Bauzeit die höchste Eisenbahnlinie der Welt eingeweiht worden. Während der Fahrt auf bis zu 5000 Meter Höhe wird Sauerstoff in die Abteile gepumpt, damit die Passagiere nicht unter dem Überdruck leiden.

Staatschef Hu Jintao sagte bei der Eröffnungszeremonie in Golmud in der nordwestlichen Provinz Qinghai, die Bahn sei "ein großes Wunder für die Welt". Unter dem Applaus von 2900 ausgewählten Gästen - darunter hunderte Arbeiter mit gelben Helmen und in blauen Arbeitsanzügen - durchschnitt Hu feierlich das rote Band. Er gab die Fahrt frei für den ersten Zug, der mit 900 Passagieren aus dem gut 2800 Meter hoch gelegenen Golmud Richtung Tibets Hauptstadt Lhasa startete.

Das staatliche Fernsehen übertrug die Einweihungszeremonie am 85. Gründungsjubiläum der chinesischen Kommunistischen Partei live. Ausländische Journalisten waren nicht zugelassen. In der "Qing 1" genannten ersten Bahn wurden neben zahlreichen Offiziellen und chinesischen Journalisten auch Arbeiter mit besonderen Verdiensten auf die 1142 Kilometer lange Jungfernfahrt geschickt. In die Gegenrichtung starteten vom Lhasa aus 700 Passagiere in dem Zug "Zang 2".

Die Bahnlinie steigt auf über 5000 Meter über dem Meeresspiegel und damit 200 Meter höher als die Lima-Huancayo-Linie in Peru. In die Abteile wird extra Sauerstoff gepumpt, damit die Fahrgäste nicht unter der Höhenkrankheit leiden.

Proteste von Exiltibetern

Die 4561 Kilometer zwischen Peking und Lhasa können Fahrgäste nun in zwei Tagen zurücklegen. Mit der Verbindung hoffen die chinesischen Behörden nicht nur, den Fremdenverkehr in die landschaftlich atemberaubende Region zu fördern, sondern der gesamte Westen des Landes, der dem allgemeinen Wirtschaftsboom hinterherhinkt, soll so Impulse bekommen.

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, hatte im Vorfeld erklärt, er sei nicht grundsätzlich gegen das Projekt, solange damit keine politischen Ziele verfolgt würden. Gerade das aber befürchten viele. Im indischen Dharamsala protestierten am Samstag zahlreiche Exiltibeter lautstark gegen das Projekt. Hu hatte Tibet von 1988 bis 1992 verwaltet, eine Zeit, die wegen der rücksichtslosen Unterdrückung von Unabhängigkeitsbestrebungen in Erinnerung geblieben ist.

(afp)