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Forscher in den USA und Australien züchten Frühform von Embryos im Labor

In den USA und Australien : Forscher züchten Frühform von Embryos im Labor

Unabhängig von einander haben zwei Forscherteams Zellen gezüchtet, die denen kurz nach der Befruchtung der menschlichen Eizelle ähnlich sind. Sie erhoffen sich daraus neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Embryonen.

Zwei Forschergruppen aus den USA und Australien sollen nach Angaben des Fachmagazins "Nature" im Labor menschenähnliche Zellgebilde aus embryonalen Stammzellen oder reprogrammierten Zellen entwickelt haben. Das berichtete das Science Media Center Germany am Mittwoch unter Berufung auf einen entsprechenden Artikel der Fachzeitschrift.

Demnach soll es sich um "Vorläufer menschlicher Embryonen" handeln, die ohne Befruchtung in Vitro erzeugt wurden. Dies eröffne neue Forschungshorizonte, "die allerdings mit ihren Experimenten auch ethisches Neuland beschreiten", hieß es.

Bei diesen sogenannten blastozysten-ähnlichen Strukturen handele es sich um eine Art Zellball. Er bestehe aus etwa 200 embryonalen Zellen, wie er sich nach einer natürlichen Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium nach etwa fünf bis sechs Tagen entwickeln würde.

Während es den US-amerikanischen Forschenden nach eigenen Angaben gelang, sogenannte menschliche Blastoide aus embryonalen Stammzellen zu differenzieren, reprogrammierte die australische Gruppe Bindegewebsbildungszellen und führte mit den entstehenden Gebilden erste in vitro Einnistungs-Experimente durch. Die Erfolgsrate der Blastoid-Entwicklungen lag nur zwischen 6 und 18 Prozent.

Um internationale Ethikregeln einzuhalten, seien alle Experimente viereinhalb Tage nach der "iBlastoid-Anheftung in vitro" beendet worden, heißt es. Die Strukturen lieferten aber Modelle, mit denen die menschliche Embryo-Entwicklung, frühe Entwicklungsdefekte sowie die Ursachen frühen Schwangerschaftsverlusts erforscht oder neue Verhütungsmittel entwickelt werden könnten.

Aus ethischer Perspektive stelle sich die Frage, wie solche menschlichen Blastoid-Strukturen zu bewerten seien "und wie lange Forschende menschenähnliche, sich selbst organisierenden embryonale Gebilde entwickeln lassen dürften". Eine rechtliche Einordnung von Blastoiden oder Embryoiden hänge davon ab, inwiefern sie menschlichen Lebewesen mit Entwicklungsfähigkeit ähneln und entsprechend als menschliche Embryonen eingestuft werden sollten. Dann könne ihnen unter Umständen Menschenwürde und Lebensschutz zuzuweisen sein.

In ersten Stellungnahmen verwiesen Experten auf ähnlich Experimente bei Mäusen. Nach Einschätzung des Mannheimer Medizinrechtlers Jochen Taupitz wird "die Erzeugung derartiger zellulärer Artefakte" nach "überwiegender Auffassung" nicht vom Embryonenschutzgesetz erfasst. Für den New Yorker Entwicklungsbiologen Thomas Zwaka gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sie durch Optimierung künftig "einen Zustand erreichen können, der äquivalent zu normalen Embryonen ist".

Michele Boiani vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster erklärte, optimistisch betrachtet erlaubten die Forschungserfolge, auf die Zerstörung von menschlichen Embryonen aus der künstlichen Befruchtung künftig zu verzichten. "Allerdings werden kryokonservierte menschliche Embryonen ohnehin zerstört, wenn sie die gesetzlich erlaubte Zeit in flüssigem Stickstoff überschritten haben."

(chal/kna)