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Für gestresste Autoren: Ferngesteuerter Signierstift

Für gestresste Autoren : Ferngesteuerter Signierstift

London (rpo). Man kennt das ja: Als Berühmtheit muss man ständig durch die Gegend reisen und Autogramme schreiben und verteilen. Das Problem hat auch die kanadische Bestsellerautorin Margaret Atwood, oder besser gesagt, hatte: Denn sie hat den von ihr erfundenen, ferngesteuerten Füllfederhalter vorgestellt.

Er erlaubt es Schriftstellern, Bücher von Fans in tausenden Kilometern Entfernung zu signieren. "Ich betrachte das als demokratisierendes Gerät", sagte Atwood. "Man kann nicht in fünf Ländern gleichzeitig sein. Aber man kann mit dem LongPen in fünf Ländern gleichzeitig sein." Die 66-Jährige, deren Lesungen in Europa und Nordamerika regelmäßig hunderte Fans anziehen, hat in der Vergangenheit häufig über die Strapazen von ausgedehnten Lesetouren geklagt.

Die Erfinderin: Margaret Atwood. Foto: AP, AP

Bei der Vorstellung des ferngesteuerten Füllers auf der Londoner Buchmesse kam es zunächst zu technischen Schwierigkeiten. Als diese behoben waren, nahm Atwood den Stift, um ihre neue Sammlung von Kurzgeschichten, "The Tent", für den Leiter ihres britischen Verlagshauses Bloomsbury zu signieren.

Sie schrieb die Wörter auf einen elektronischen Block, während sie per Videoverbindung mit Nigel Newton plauderte. Wenige Sekunden später zogen in einem anderen Bereich des Messezentrums zwei Metallarme mit einem Kugelschreiber die Widmung Atwoods in deren typischer Handschrift auf Newtons Buch nach: "Für Nigel, mit den besten Wünschen, Margaret Atwood". Später wollte die Schriftstellerin Exemplare von "The Tent" für Leser in New York und im kanadischen Guelph signieren.

Für einen Scherz gehalten

Als Atwood ihre Erfindung Ende 2004 ankündigte, hatten viele sie für einen Scherz gehalten. Sie habe Experten von ihrer Idee erzählt, und sie hätten ihr erklärt, dass sie machbar sei, sagte die Autorin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Sie gründete daraufhin mit dem jetzigen Projektdirektor Matthew Gibson und mehreren weiteren Personen ein Unternehmen, dem sie den Namen "Unotchit" (für: you no touch it - du berührst es nicht) gab. Die Firma will das Gerät an Verlage verleihen. Atwood hofft, dass Verlage dadurch auch weniger bekannte Autoren fördern und Signierstunden auch in kleineren Orten und Ländern stattfinden können.

Verlage äußerten sich interessiert an dem Stift. "Das schafft die Möglichkeit völlig neuer Veranstaltungen zum Bewerben von Büchern", erklärte Newton. Dejan Papic von Atwoods serbischem Verlag Laguna sagte, auf diese Art könnten international bekannte Autoren zumindest virtuell auch in sein Land gelangen.

Ein Leser auf der Londoner Buchmesse äußerte sich dagegen zurückhaltend. "Ich würde das vielleicht machen, wenn sie nicht im selben Raum wäre", sagte Jeff Doorn, während er für eine - persönliche - Widmung Atwoods Schlange stand. "Mit einer persönlichen Note ist es schon schöner."

Atwood wurde mit Romanen wie "Der Report der Magd", "Oryx und Crake", "Die Räuberbraut" und "Lady Orakel" bekannt. Sie hat unter anderem den renommierten Booker Prize erhalten.

(ap)