Zahlreiche Institute an Forschung beteiligt Cern-Sensation ist auch ein deutscher Erfolg

Genf · Die Wissenschaftler im Genfer Kernforschungszentrum Cern jubeln: Sie könnten das lange gesuchte Elementarteilchen Higgs-Boson gefunden haben. Bis zum endgültigen Nachweis sind noch weitere Forschungen nötig, doch eine wissenschaftliche Sensation ist es schon jetzt – und auch ein riesiger Erfolg für deutsche Forscher.

 Der belgische Physikert Francois Englert (v.l.), Cern-Generaldirektpor Rolf Heuer und der britische Physiker Peter Higgs.

Der belgische Physikert Francois Englert (v.l.), Cern-Generaldirektpor Rolf Heuer und der britische Physiker Peter Higgs.

Foto: dpa, Martial Trezzini

Die Wissenschaftler im Genfer Kernforschungszentrum Cern jubeln: Sie könnten das lange gesuchte Elementarteilchen Higgs-Boson gefunden haben. Bis zum endgültigen Nachweis sind noch weitere Forschungen nötig, doch eine wissenschaftliche Sensation ist es schon jetzt — und auch ein riesiger Erfolg für deutsche Forscher.

"Der LHC und die Detektoren laufen hervorragend und übertreffen all unsere Erwartungen", sagt Bernhard Spaan von der Technischen Universität Dortmund, der zugleich Vorsitzender des deutschen Komitees für Elementarteilchenphysik ist. Und er betont eines: "Deutsche Teilchenphysiker haben entscheidende Beiträge zu diesem Erfolg geleistet."

Tatsächlich haben auch deutsche Physiker nach der Sensationsmeldung von diesem Mittwoch etwas zu feiern. Denn immerhin 15 deutsche Universitäten, das Max-Planck-Institut für Physik in München sowie die beiden Helmholtz-Forschungszentren Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY und Karlsruher Institut für Technologie KIT beteiligen sich an den Experimenten.

Konkret sind laut Max-Planck-Institut mehr als 700 deutsche Wissenschaftler, davon 400 Nachwuchswissenschaftler dabei. Auch seien wesentliche Teile beider Detektoren, aber auch, die für die Experimente gebraucht werden, in Deutschland entwickelt und gebaut worden. Nach Angaben des Bundesforschungsministeriums ist Deutschland seit der Gründung Mitglied des Cern, und seit 2009 ist zudem der deutsche Teilchenphysiker Rolf-Dieter Heuer Generaldirektor des Kernforschungszentrums.

Ministeriumsunterstützung von 175 Millionen Euro

Dementsprechend gab es an diesem Mittwoch auch Glückwünsche von der Bundesforschungsministerin. "Die Ausdauer und Neugier der Wissenschaftler wurde belohnt", so Annette Schavan. "Ich gratuliere den beteiligten Arbeitsgruppen herzlich zu dieser wissenschaftlichen Sensation."

Doch nicht nur im Hinblick auf die Beteiligung von Wissenschaftlern und Technik spielt Deutschland eine wichtige Rolle am Cern, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Laut Forschungsministerium wurden deutsche Hochschulen in den vergangenen 15 Jahren für ihre Arbeit am Cern unterstützt — mit insgesamt 175 Millionen Euro.

Zudem übernehme das Ministerium mit jährlich 180 Millionen Euro derzeit rund 20 Prozent der Mitgliedsbeiträge des Cern-Haushaltes. Damit sei Deutschland der größte Förderer des Kernforschungszentrums.

Angesichts dieser Zahlen und Fakten ist es nur allzu leicht nachzuvollziehen, dass an diesem Mittwoch auch in Deutschland mächtig gejubelt wird über die wissenschaftliche Sensation. So schwärmte etwa Joachim Mnich, Forschungsdirektor des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY: "Was sich hier anbahnt, ist für mich bisher die Entdeckung des Jahrhunderts" — und sprach damit sicherlich vielen Forschern aus der Seele.

Siegfried Bethke, Direktor des Max-Planck-Instituts, betonte aber auch, dass es "ein lang ersehnter, großartiger und verdienter Erfolg der beteiligten Institute und Wissenschaftler weltweit" sei.

(das)
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