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Warnsystem in der Kritik: Ärger nach Tsunami-Fehlalarm

Warnsystem in der Kritik : Ärger nach Tsunami-Fehlalarm

Nuku'Alofa/Tonga (rpo). Das schwere Seebeben im Pazifik am Mittwoch hat Zweifel an dem internationalen Tsunami-Frühwarnsystem genährt. Die vom dem System herausgegeben Warnung vor einer verheerenden Flutwelle - die dann letztendlich nur 50 Zentimeter hoch war - erreichte die entscheidenden Stellen nicht.

Die Behörden des Inselstaates Tonga kritisierten am Donnerstag, sie hätten keine Warnung erhalten. Auch auf den Fischi-Inseln gab es Probleme: Dort erreichte die Tsunami-Warnung nur die Hauptinsel, nicht aber die Bewohner von 110 weiteren Inseln des Staates. Das Beben richtete trotz einer Stärke von 7,8 kaum Schäden an und löste auch keine Riesenwelle aus.

"Niemand hat eine Warnung über das Notfall-Satellitensystem in unserem Wetteramt erhalten", sagte der Leiter des Katastrophenschutzamtes Tongas, Mali'u Takai, der Nachrichtenagentur AP. "Wir wären voll erwischt worden, weil das System nicht funktioniert hat."

Man habe nur die Entwarnung empfangen. Ein Polizeisprecher der Fischi-Inseln erklärte, außerhalb der Hauptinsel seien lediglich die Polizeiwachen in Alarmbereitschaft versetzt worden. Es sei schwierig, die Einwohner aller Inseln zu warnen.

Beben in 16 Kilometern Tiefe

Bewohner in Tonga sprachen von dem schwersten Erdbeben seit 20 Jahren. In einem Dorf außerhalb der Hauptstadt Nuku'Alofa stürzte der Turm einer Kirche ein. In der Außenwand des Gebäudes waren tiefe Risse zu sehen, der Innenraum blieb jedoch unbeschädigt, wie ein Kirchensprecher sagte.

Ein südkoreanischer Geschäftsmann erlitt eine Knöchelverletzung, als er während des Bebens in Panik aus seinem Hotelzimmer im ersten Stock sprang. Auf den Fidschi-Inseln wurden rund 140 Gäste eines Hotels in Suva vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Entlang der neuseeländischen Ostküste verließen hunderte Menschen ihre Häuser und suchten höher gelegenes Gelände auf, wie die Behörden erklärten. Der Zivilschutz erklärten, offenbar hätten Fernsehberichte die Menschen aufgeschreckt. "Diese Berichte waren unverantwortlich", sagte ein Sprecher, Richard Steel. Schließlich habe es keine offizielle Aufforderung zur Evakuierung gegeben.

Das Beben ereignete sich US-Angaben zufolge um 17.27 Uhr (MESZ) 155 Kilometer südlich von Neiafu (Tonga). Es hatte sein Zentrum in 16 Kilometern Tiefe.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Seebeben der Stärke 9,1 im Indischen Ozean eine verheerende Flutwelle (Tsunami) ausgelöst, die mindestens 216.000 Menschen das Leben kostete, mehr als 131.000 allein in der indonesischen Provinz Aceh auf Sumatra.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Satellitenaufnahmen: Vor und nach dem Tsunami von 2004

(ap)