Forscher aus Leipzig an Knochenauswertung beteiligt: 400.000 Jahre altes Erbgut des Menschen entschlüsselt

Forscher aus Leipzig an Knochenauswertung beteiligt : 400.000 Jahre altes Erbgut des Menschen entschlüsselt

Einem internationalen Forscherteam ist ein sensationeller Erfolg bei der Entschlüsselung uralten menschlichen Erbguts gelungen: Ein Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig wertete gemeinsam mit Forschern aus Madrid einen Knochenfund aus Atapuerca im Norden Spaniens aus, der rund 400.000 Jahr alt ist, wie das Magazin "Nature" berichtet.

Das verhältnismäßig gut erhaltene Knochenpulver aus dem Oberschenkel eines menschenartigen Lebewesens ist damit rund 320.000 Jahre älter als die bislang älteste entschlüsselte Erbsubstanz des sogenannten Denisova-Menschen aus dem Süden Sibiriens.

Die Knochenfunde aus den Karsthöhlen in Atapuerca in der nordspanischen Provinz Burgos halten die Paläontologen bereits seit zwei Jahrzehnten in Atem, führten aber bislang noch nicht zu einer allgemein akzeptierten Neuinterpretation der Menschheitsgeschichte. Die Funde, darunter 28 Skelette von Menschenartigen, reichen viel weiter in die Vergangenheit zurück als die der inzwischen weithin bekannten Neandertaler.

Die Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut um Svante Pääbo und Matthias Meyer konnten auf einen dieser Funde zugreifen, der von den spanischen Forschern um Juan Luis Arsuaga aus Madrid zur Verfügung gestellt wurde. Sie testeten ihre Rekonstruktion von DNA aus den Mitochondrien seit dem Jahr 2010 zunächst am Knochenfund eines Bären aus derselben Höhle von Atapuerca ("Sima de los Huesos") und wandten sie dann an dem Oberschenkel an. Dafür reichten ihnen zwei Gramm Knochenpulver.

Die Vergleiche des Erbguts aus Atapuerca mit anderen Vorläufern aus dem Stammbaum der Menschen (Hominini) dürften die Wissenschaft noch geraume Zeit beschäftigen. Jedenfalls ergab die erste Auswertung, dass die genetische Nähe zwischen den Hominini aus Nordspanien und den Denisova-Menschen größer ist als die zu den Neandertalern. Die Paläontologen gehen jedoch davon aus, dass die genetische Auseinanderentwicklung der Sima-Menschen von den Denisova-Menschen sogar rund 700.000 Jahre zurückliegen muss.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir inzwischen die DNA von menschlichen Vorfahren untersuchen können, die mehrere hunderttausend Jahre alt sind", sagte der Leipziger Max-Planck-Direktor Svante Pääbo. "Das ist unglaublich anspornend."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schädelfund widerlegt frühmenschliche Artenvielfalt

(AFP)
Mehr von RP ONLINE