Hamburg: Einige Annäherungen und wenig Streit beim Kirchentag

Hamburg: Einige Annäherungen und wenig Streit beim Kirchentag

Ende mit einem Gottesdienst vor 130 000 Besuchern.

185 Kilogramm vegetarischer Brotaufstrich für die freiwilligen Helfer, 3080 Stunden Programm, 155 000 Dauer- und Tagesgäste in 2500 Veranstaltungen: Diese Zahlen sind Teil der Bilanz des Evangelischen Kirchentags in Hamburg. Ein großer Gottesdienst im Stadtpark mit 130 000 Teilnehmern bildete gestern den Schlusspunkt.

Die inhaltliche Bilanz ist schwieriger zu fassen. In sechs Resolutionen sprachen sich Teilnehmer gegen Rüstungsexporte, für eine sozial verträgliche Energiewende und für den Kampf gegen Altersarmut aus. Die "Forderung nach gerechtem Lohn und gerechten Arbeitsbedingungen für alle" betonte Kirchentagspräsident Gerhard Robbers. Man habe "den Nerv der Zeit getroffen", sagte der Staatsrechtler.

Harten Streit gab es wenig. Dennoch werde weiter "Klartext geredet", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider: "Aber die Bereitschaft, auch sich selbst infrage zu stellen, ist viel größer als vor 20 oder 30 Jahren. Wir sitzen nicht mehr in der Wagenburg und kritisieren alles, was von außen kommt." Er zeigte sich enttäuscht, dass nur wenige Wirtschaftsvertreter bereit gewesen seien, über die Finanzkrise zu diskutieren.

Der Samstag war von einem der wenigen echten Dispute geprägt gewesen: der verfahrenen Auseinandersetzung über den kirchlichen Sonderweg im Arbeitsrecht. Das Bundesarbeitsgericht hat jüngst entschieden, dass das Streikverbot in Kirchenbetrieben nur dann gilt, wenn die Gewerkschaften ausreichend an der Lohnfindung beteiligt werden; der "Dritte Weg" wurde aber grundsätzlich bestätigt. Dagegen hat die Gewerkschaft Verdi Verfassungsbeschwerde eingelegt.

Nach dem kurzfristig angesetzten Schlagabtausch zwischen Robbers und Verdi-Chef Frank Bsirske wollte immerhin einer "Annäherungen in Zwischentönen" entdeckt haben, Robbers selbst: "Ich habe eine Nachdenklichkeit auch bei Herrn Bsirske gesehen." Der freilich hatte unmittelbar zuvor in Robbers' Beisein noch gegen die "Scheiß-Wettbewerbsmacherei auf dem Rücken der Beschäftigten" gewettert. Immerhin, sagte Robbers, habe man sich zu einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe verabredet, damit "der eine den anderen besser versteht".

Er wolle die Hoffnung auf Annäherung nicht aufgeben, sagte Schneider dazu: Kirche und Diakonie seien bereit, "Satzungen und Ordnungen zu ändern": "Wir wollen unsere Hausaufgaben machen."

(RP)
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