Düsseldorf: Die Gefahren radioaktiver Strahlen

Düsseldorf : Die Gefahren radioaktiver Strahlen

Die Atomkatastrophe in Japan hält die Welt in Atem. Auch in Deutschland sind viele Menschen über die Folgen besorgt: Flugzeuge mit Gütern aus Japan stehen unter besonderer Beobachtung. Nun wird über den Umgang mit Schiffen diskutiert. Die wichtigsten Antworten zum aktuellen Stand.

Die Strahlung aus Japan erreicht Deutschland. Seit einer Woche schlägt sich auch bei uns das Fukushima-Unglück in Messwerten nieder – die Belastung ist allerdings wegen der Entfernung gering. Aber was ist mit möglicherweise radioaktiv belasteten Passagieren, Flugzeugen, Schiffen oder Lebensmitteln? Die wichtigsten Antworten zum aktuellen Stand.

Kommt die Strahlung aus Japan nach Deutschland?

In den Wochen seit Beginn der Katastrophe in Fukushima zeigten Messstationen weltweit nach und nach Spuren der Strahlung aus Japan; zunächst im Pazifik und an der Westküste der USA, vor einer Woche auch auf der sensibelsten deutschen Messstation auf dem Schauinsland im Schwarzwald. Die Werte liegen aber insgesamt erheblich unterhalb der natürlichen Strahlenbelastung; eine Gefahr für Menschen in Deutschland besteht dadurch nicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz, das etwa 2000 Messstationen betreibt, rechnet damit, dass die Konzentration wegen der großen Entfernung so gering bleibt.

Sind Lebensmittel aus Japan gesundheitsgefährdend?

"Radioaktive Strahlung können wir auch mit der Nahrung aufnehmen", sagt Christian Uhlenbruck, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Helios Klinikum Krefeld. Für Sorge in Deutschland besteht aber derzeit kein Anlass: Bislang wurden nach Angaben des Ministeriums für Verbraucherschutz keine radioaktiv belasteten Lebensmittel gefunden. Deutschland importiert ohnehin kaum Lebensmittel aus Japan, sie machen nur 0,1 Prozent der Importe aus. Es handelt sich um spezielle Produkte wie Seegras, Algen, Sojasaucen, Tee und Fertiggerichte. Lebens- und Futtermittel aus Ländern, die an Japan grenzen, werden bislang nicht besonders kontrolliert.

Warum hat die EU die Grenzwerte für Lebensmittel erhöht?

Die EU hatte am vergangenen Wochenende per Eilverfahren eine 24 Jahre alte Verordnung für nukleare Notfälle aktiviert, um aus Japan importierte Lebensmitteln auf Strahlen untersuchen zu können. Die Verordnung nennt allerdings höhere Grenzwerte, als in Europa als Folge von Tschernobyl bislang galten. So dürfen Importe aus Japan jetzt eine Cäsium-Beslastung von bis zu 1250 Becquerel pro Kilogramm aufweisen – vorher waren nur 600 Becquerel zulässig. Diese Meldung führte zu Verwirrung, verschiedene Verbraucher- und Umweltorganisationen protestieren. Auch die höheren Werte seien geeignet, die Bevölkerung zu schützen, heißt es dagegen im Bundesumweltministerium. Die Regierung wolle sich dennoch für niedrigere Grenzwerte einsetzen. "Das wird aber nicht von heute auf morgen passieren", so ein Sprecher.

Bestehen Gefahren durch einreisende Personen?

Nein, meint das Bundesamt für Strahlenschutz. Äußerliche Kontaminationen können durch Kleiderwechsel und Duschen beseitigt werden. Andere Personen sind nicht gefährdet. Offizielle Messstellen untersuchen auf Anfrage Japan-Reisende, etwa in Düsseldorf, Jülich oder Wuppertal. Bei 26 Personen wurden bislang radioaktive Stoffe nachgewiesen – die Werte lagen aber nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz unter den für die Gesundheit relevanten Grenzwerten.

Gibt es in Deutschland im Normalfall keine radioaktive Strahlung?

Doch. Der Mensch ist auch in Deutschland einer Vielzahl von radioaktiven Strahlenquellen ausgesetzt. Durch diese natürliche Strahlung nimmt der Mensch pro Jahr im Durchschnitt zwei bis vier Millisievert auf. Die Ursachen sind vielfältig. "Beispielsweise gibt es in Wohnungen radioaktives Radon in Steinen", sagt Andreas Wirrwar, Strahlenphysiker am Helios Klinikum Krefeld. Auch Radon in der Luft strahlt, und Zigaretten enthalten ionisierende Stoffe. Außerdem gibt es kosmische Strahlung, die bis zum Erdboden gelangt. Daneben sind in Deutschland noch die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl messbar. In der Medizin wird bewusst radioaktive Strahlung benutzt: Ein Röntgenbild des Oberkörpers belastet den Körper mit bis zu einem Millisievert, eine Aufnahme per Computertomograph mit bis zu 17 Millisievert.

Was ist mit Flugzeugen und Schiffen, die aus Japan ankommen?

Die Flugzeuge werden nach der Landung mit Messgeräten kontrolliert. Bislang wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Für Schiffe gibt es bislang noch keine einheitliche Regelung. Die ersten Schiffe, die nach der Reaktorkatastrophe ausgelaufen sind, werden in zwei Wochen erwartet. Ihre Ladung wird auf jeden Fall auf Radioaktivität untersucht. Wie mit den Schiffen selbst umgegangen werden soll, ist aber noch unklar. Der größte deutsche Hafen in Hamburg und die zuständige Innenbehörde kritisieren das. "Wir fordern eindeutige Grenzwerte", sagte Klaus-Dieter Peters, Vorstandschef des Hafenlogistikkonzerns HHLA.

Welche Folgen hat es, wenn man zu viel Strahlung ausgesetzt wird?

Bei niedrigen Dosen, etwa ab 200 Millisievert pro Jahr, ist es wahrscheinlich, dass sich das Erbgut der Zellen verändert. "Wir haben dann eine unkontrollierte Zellteilung, und die Krebsgefahr steigt", sagt Uhlenbruck. Welche Dosis gefährlich ist, hängt vom Individuum ab. Kinder seien empfindlicher als Erwachsene. Bei höheren Dosen, ab 500 Millisievert, besteht die Gefahr, dass der Mensch an der akuten Strahlenkrankheit erkrankt. "Die Patienten haben Verbrennungen der Haut, und ihr Knochenmark ist geschädigt", sagt Uhlenbruck. In schweren Fällen sterben die Zellen, Organe versagen. Es sei schwer zu sagen, wie hoch die Dosis sein muss, um den Menschen zu gefährden. "Es gibt keine Untergrenze, bei der man sagen kann, darunter ist es bedenkenlos."

(RP)