Die feinen Haare der Brennnessel

Die feinen Haare der Brennnessel

Nr. 448 – Hannah Schmitt aus Düsseldorf fragt: "Warum brennen Brennnesseln?

Eine genauere Betrachtung der Pflanze zeigt, dass diese komplett mit feinen Haaren übersät ist. Und die haben es in sich: Die sogenannten Brennhaare bestehen aus einem mehrzelligen Sockel und einer Haarzelle. Diese wiederum hat mehrere Abschnitte. Der untere elastische Teil wird Bulbus genannt und enthält den Brennsaft. An seinem oberen Ende läuft das hohle Haar spitz aus und endet in einer seitlich angesetzten winzigen Kugel. An der Übergangsstelle ist die Zellwand merklich dünner als in den übrigen Abschnitten. Einlagerungen von Kalk und Kieselsäure machen sie zudem spröde. Deshalb bricht das Köpfchen schon bei leichter Berührung ab und hinterlässt an der Sollbruchstelle eine Spitze, die einer Injektions-Nadel gleicht.

Das Mittelstück des Brennhaares dringt wie eine Kanüle senkrecht in die Haut ein. Durch den Druck auf den Bulbus wird der Zellsaft ausgepresst und in die Haut injiziert. Ein Cocktail aus Ameisensäure, Serotonin, Histamin, Acetylcholin und Natriumformiat wird freigesetzt und bewirkt das typische Brennen und die Bildung von Quaddeln auf der Haut. Ein zehntausendstel Milligramm dieser Flüssigkeit soll ausreichen, um die bekannte Wirkung zu erzielen. Die Brennnessel trägt die chemische Keule zur Selbstverteidigung– und zwar gegen hungrige Mäuler. Nach den ersten schmerzhaften Erfahrungen wird ein Tier die Brennnessel wohl nie wieder als Futter betrachten. Und sie kann ungefährdet wachsen.

(RP)