Die Eurythmics sind Kinder des Rheinlands

Die Eurythmics sind Kinder des Rheinlands

Pop Eine der am sträflichsten übersehenen Platten der Popgeschichte ist das Debütalbum der Eurythmics. Das muss man unbedingt noch einmal hören, und damit so viele Menschen wie möglich genau das auch wirklich machen, wird es jetzt wiederveröffentlicht. 1981 ist es erschienen, es ist wunderschön, und es hatte damals überhaupt keinen Erfolg. Das Besondere an dieser Platte ist, dass sie im Grunde - ein bisschen Lokalpatriotismus vorausgesetzt - als rheinische Produktion durchgehen kann, als spätes Dokument der hiesigen Spielart von Krautrock.

Pop Eine der am sträflichsten übersehenen Platten der Popgeschichte ist das Debütalbum der Eurythmics. Das muss man unbedingt noch einmal hören, und damit so viele Menschen wie möglich genau das auch wirklich machen, wird es jetzt wiederveröffentlicht. 1981 ist es erschienen, es ist wunderschön, und es hatte damals überhaupt keinen Erfolg. Das Besondere an dieser Platte ist, dass sie im Grunde - ein bisschen Lokalpatriotismus vorausgesetzt - als rheinische Produktion durchgehen kann, als spätes Dokument der hiesigen Spielart von Krautrock.

Die damals 26 Jahre alte Annie Lennox und ihr 28 Jahre alter Kompagnon Dave Stewart verbrachten nämlich mehrere Monate in Wolperath nahe Köln, auf dem Bauernhof von Conny Plank, der ja auch die ersten Kraftwerk-Platten produziert hatte, außerdem Neu!, DAF und alle anderen. Er ließ sich ein Drittel der Tantiemen vom Erstlingswerk der Briten zusichern und arrangierte ihnen ein mitunter elysisches Album, das im besten Sinne zeitlos klingt und bei all jenen, die es heute zum ersten Mal auflegen, Erstaunen auslösen dürfte: Das sind echt die Eurythmics? Annie Lennox hat noch nicht ihren markanten Gesangsstil kultiviert; ihre Stimme schmiegt sich in die Musik, sie durchschneidet sie noch nicht.

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Krautrock paart sich hier mit New Wave, und irre ist die Liste der Studiomusiker. Von der Band Can spielen Jaki Liebezeit und Holger Czukay mit, der in den Linernotes "Hölgar Czukay" genannt wird. Clem Burke von Blondie sitzt am Schlagzeug, Conny Planks Lebensgefährtin Christa Faust ("Krista Faust"), die auch auf "Ambient 1" von Brian Eno als Sängerin auftritt, darf einmal ausgiebig lachen. Und Gabi Delgado und Robert Görl von DAF sind auch dabei.

Mit Görl techtelmechtelte Annie Lennox heftig; auf dessen später erscheinendem Soloalbum sind denn auch zwei Duette mit Lennox zu hören. 1983 erschien dann "Sweet Dreams", die Single, die die Eurythmics in eine andere Umlaufbahn katapultierte und zu der Band machte, die wir kennen. "In The Garden" ist also eine Transitplatte, ein Dokument des Erwachens. Und ein tolles Album. Philipp Holstein

(RP)
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