Vor 50 Jahren siegt Kuba über US-Invasion: Desaster in der Schweinebucht

Vor 50 Jahren siegt Kuba über US-Invasion : Desaster in der Schweinebucht

Washington (RP). Vor 50 Jahren, in der Nacht zum 17. April 1961, landeten Exilkubaner in der Schweinebucht auf Kuba. Ihr Ziel: Fidel Castro zu stürzen. Unterstützt hat sie die amerikanische Regierung. Zwei Tage später wurde die Invasion abgebrochen, das kubanische Militär hatte die Rebellen besiegt.

John F. Kennedy mochte Richard Bissell. Der war forsch, gedankenschnell und witzig. Der Absolvent der Eliteuniversität Yale hatte den neu gewählten Präsidenten entzückt, als er sich bei einem feuchtfröhlichen Abendessen mit den launigen Worten vorstellte, er sei ein "menschenfressender Hai".

Bei Bissell, dem stellvertretenden Direktor der CIA, fühlte sich Kennedy an einen seiner liebsten literarischen Helden erinnert. An James Bond, den eleganten Draufgänger und Frauenschwarm, mit dem er sich gut identifizieren konnte.

1960, noch bevor er ins Oval Office einzog, hatte er Ian Fleming, den Schöpfer von 007, vertraulich um Rat gebeten. Wie er am besten mit Fidel Castro umgehen solle, wollte er wissen. Vielleicht sollte man Gerüchte streuen, wonach der Kubaner impotent sei, war Fleming eingefallen.

Bedenken im State Department

So war damals die Stimmungslage und Bissell die treibende Kraft. Castro habe daheim keine echte Hausmacht, weder in der Öffentlichkeit noch in der Armee, redete der Geheimdienst-Vize dem Neuling im Oval Office ein. Kennedy vertraute dem schneidigen Mann aus der Schattenwelt.

In Guatemala übten Exilkubaner unter Anleitung amerikanischer Ausbilder bereits für eine Landung an der Südküste der Zuckerinsel. Wenn Washington schnell grünes Licht gebe, glaubte Bissell, könnte eine Invasion zu einem flächendeckenden Aufstand führen.

Dass die Rebellen Castro aus eigener Kraft stürzen könnten, hielt nicht einmal dieser kühne Optimist für möglich. Vielmehr sollten sie Brückenköpfe halten, für zwei, vielleicht vier Wochen, und so eine Welle von Massenrevolten auslösen.

Zwar äußerte das State Department Bedenken, zwar veranschlagte ein Staatssekretär namens Chester Bowles die Erfolgschancen des Abenteuers mit höchstens eins zu drei. Aber JFK lagen sie nicht, die vorsichtigen Diplomaten im Außenministerium, bei denen er den Einfallsreichtum eines Richard Bissell vermisste. "Wenn ich schnell Material brauche oder schnell eine Idee, ist die CIA die richtige Adresse."

"Keiner wollte als Weichling gelten"

Immerhin, der Harvard-Historiker Arthur Schlesinger, ein enger Vertrauter, hielt tapfer dagegen. "Eine solche Aktion droht auf einen Schlag alles zunichtezumachen, was der neuen Administration überall in der Welt an gutem Willen zuteil wurde. In den Köpfen von Millionen würde sie ein übles Bild der neuen Administration hinterlassen."

Dean Acheson, der Ex-Außenminister, war noch direkter. Als Kennedy im Gespräch mit ihm schätzte, dass knapp 1500 Angreifern wohl 25.000 kubanische Soldaten gegenüberstehen, brachte er es lakonisch auf den Punkt. Man müsse nicht erst die Wirtschaftsprüfer von Price-Waterhouse fragen, um zu erkennen, dass "1500 nicht so gut sind wie 25.000".

Dennoch, im Weißen Haus stempelte eine Art Gruppendynamik die nüchternen Köpfe schnell zu Außenseitern. "Keiner wollte als Weichling gelten", zitiert der Buchautor Peter Beinart einen Berater, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nie gedruckt sehen wollte. "Jeder wollte beweisen, dass er genauso verwegen war wie sein Nachbar."

Die CIA möge die Rebellen in Marsch setzen, ordnete der Präsident schließlich an, und zugleich dafür sorgen, dass niemand amerikanische Fingerabdrücke sehe.

Kennedy fürchtete internationale Proteste

Reines Wunschdenken. Havanna hatte längst Wind von den Plänen bekommen. Selbst im schlimmsten Fall, versicherte Bissell, sobald Zweifel aufkamen, könnten die Exilanten von der Schweinebucht immer noch in die Berge der Sierra del Escambray fliehen, um von dort einen Guerillakrieg zu führen. Was er zu erwähnen vergaß, war, dass zwischen Strand und Gebirge ausgedehnte Sümpfe liegen.

Als sich schon kurz nach Beginn der Operation "Bumpy Road" (Holperstrecke; so der Codename des Pentagon) ein Fiasko abzeichnete, bekam Kennedy kalte Füße.

Anderthalb Tage lang hatten die Rebellen ihren CIA-Ausbildern gefunkt, dass sie dringend Luftunterstützung brauchen, amerikanische Jets über Kuba.

JFK wollte nichts davon wissen, er fürchtete internationale Proteste, und das schon im dritten Monat seiner Amtszeit. "Es ist eine höllische Art, Dinge zu lernen", zitiert ihn sein Biograf Robert Dallek aus einer Krisensitzung. "Wenn ich eines gelernt habe aus diesem Desaster, dann, dass ich mich mit der CIA beschäftigen muss."

(RP)
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