Rom/Düsseldorf: Des Papstes neue Bücher

Rom/Düsseldorf : Des Papstes neue Bücher

Als Papst Franziskus im März gewählt wurde, gab es von ihm keinen Buchtitel hierzulande. Das hat sich schnell geändert.

Diese Papstwahl war verlegerisch kein Glücksfall. Denn als Bergoglio auf der Loggia des Petersdoms erschien, staunte nicht allein das Kirchvolk über den größtenteils unbekannten Pontifex. Auch der Buchbranche stockte kurz der Atem: In deutscher Sprache gab es kein Werk des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio, keine Biografie, keine theologische Schrift. Auf dem Buchmarkt war der neue Bischof von Rom praktisch ein Namenloser. Und so durfte man in den Tagen kurz nach der Wahl die eigenartige Situation erleben, dass selbst in der Buchhandlung des Vatikans in opulenter Präsentation immer noch das reiche schriftstellerische Werk Benedikts XVI. den Ton angab, geradewegs so, als sei zuletzt rein gar nichts geschehen.

Spätestens seit Benedikt sind Papst-Bücher auch marktrelevant. Die drei Jesus-Bände des deutschen Papstes konnte der Freiburger Herder-Verlag hierzulande bislang über 750 000 Mal verkaufen; und der Interviewband "Licht der Welt" fand immerhin 200 000 Käufer. Ob ein ähnlicher Literaturerfolg auch dem Argentinier beschieden sein wird, bleibt naturgemäß abzuwarten — und das tun derzeit einige Verlage. Allen voran Herder, der es einem glücklichen Zufall verdankt, erneut der Papst-Verlag in Deutschland zu sein. Dass gleich drei Papst-Bücher dort erscheinen, zwei davon sogar aus der Feder von Bergoglio, kam über den Bruder des Verlegers zustande, Raimund Herder, der in Barcelona arbeitet und sehr gute Kontakte zum spanischen Verlag des neuen Papstes hat. Die Lizenzen waren also schnell erworben und seine Bücher hurtig übersetzt. Die drei ersten Papst-Werke schickt Herder jetzt mit einer hoffnungsfrohen 100 000er Gesamtauflage ins Rennen um die Gunst des geneigten deutschen Lesers.

Was bei ihrer Lektüre sofort auffällt: Jorge Mario Bergoglio ist — im Gegensatz zum Bestsellerpapst Benedikt — kein großer Schreiber. Seine "biblischen Betrachtungen eines Seelsorgers" lesen sich etwas spröde. Das erstmals ins Deutsche übersetzte Werk ist aber für all jene von Interesse, die sich mit der Theologie des Argentiniers auseinandersetzen wollen. Denn schon in diesem Buch aus dem Jahre 2006 finden sich zentrale Motive seines Glaubens und Handelns, die auch in den ersten Tagen seines Pontifikats zur Sprache kamen — etwa zur Rolle des Priesters: Das Traurigste ist es nach seinen Worten, wenn der Geistliche kein Brückenbauer mehr ist, sondern "nur Träger einer Funktion"; "kein Mittler, sondern ein Makler".

Weitaus lebendiger, lebensnäher und persönlicher ist der Interviewband "Mein Leben, mein Weg" mit einem spannenden Vorwort, das analytisch klar den fast heimlichen Aufstieg des bescheidenen und mönchisch lebenden Kardinals beschreibt. Doch dann stehen in den Regalen noch die ersten, eiligst niedergeschriebenen Biografien. Das ist — nur sechs Wochen nach der Papstwahl — natürlich rekordverdächtig und nicht immer gelungen. Das Franziskus-Porträt aus der Feder von Mario Galgano — er ist Redakteur bei Radio Vatikan — ist flugs gesichtet: Die 88 Seiten sind schnell gelesen, jede zweite Seite hat ein großes Bild, und was für den Text noch übrig bleibt, sind kleinere Schnipsel und Momentaufnahmen, allenfalls für den schnellen Tagesbedarf geeignet; als Buch aber entschieden zu wenig.

Es gibt andere literarische "Mogelpackungen", auf denen zwar Franziskus steht, in denen aber sehr wenig Franziskus steckt. Das ist im Werk von Simon Biallowons der Fall und — spannender, allerdings auch spekulativer erzählt — bei Andreas Englisch. Der langjährige Rom-Korrespondent der Bild-Zeitung weiß viel über den Vatikan, aber eben nicht allzu viel über den neuen Papst. So bringt er das Kunststück fertig, erst ab Seite 213 für die restlichen 70 Seiten dem Titel "Franziskus — Zeichen der Hoffnung" gerecht zu werden. Bis dahin gibt es reichlich Benedikt, viel Konklave und immer wieder Andreas Englisch selbst mit seinen Prophezeiungen und dramatischen Mutmaßungen.

An Nachschub wird auch künftig kein Mangel sein. Zwei weitere Titel kündigen bereits die Verlage Riemann (ein weiteres Interviewbuch) sowie Pattloch mit einer neuen Biografie aus der Feder von Jürgen Erbacher an. Zudem hat der Herder-Verlag gleich die Rechte für das Gesamtpaket der bisherigen Bergoglio-Originalwerke gekauft und wird in den kommenden Monaten nach und nach fünf Bücher mit biblischen Betrachtungen publizieren. Bis dahin dürfte auch der Buchshop des Vatikans seine Auslagen zeitgemäßer gestaltet haben.

(RP)