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Das sollten Sie über Ostern wissen

Ostern : Am Palmsonntag herrscht noch Hochstimmung

Man mag gar nicht glauben, dass der Palmsonntag der Beginn der Karwoche sein soll. Beschreibt doch das althochdeutsche Wort Kar die Klage, die Trauer und den Kummer. Aber am Palmsonntag ist noch nichts zu betrauern, im Gegenteil: Wie uns die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes einmütig berichten, ist dies ein Tag ungetrübter Hochstimmung. Alle Zeichen stehen auf Triumph, auf Erfüllung der Botschaft Jesu.

Wobei es zunächst merkwürdig anmutet, dass ausgerechnet Gottes Sohn mit seinem Einzug in Jerusalem einen Triumphzug plant und regelrecht inszeniert. Er schickt zwei Jünger in ein nahe gelegenes Dorf, damit sie einen Esel holen, auf dem Jesus dann reiten wird. Und Leute gehen vor ihm her und rufen laut: "Hosianna, gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosianna in der Höhe!" Fast erinnert dies an den Einzug siegreicher römischer Feldherren. Es ist, als schmücke sich der Sohn Gottes mit den Insignien weltlicher Macht. Zumal die Menschen diesen Siegeszug mit Zweigen von den Büschen schmücken, mit Palmzweigen, wie es in einem Evangelium heißt. Die Palmzweige sind heute das Zeichen der Huldigung und geben darum diesem Sonntag zu Beginn der Karwoche ihren Namen.

Die Geschichte vom Einzug in Jerusalem überwältigt weniger mit dem Triumphgeschrei der Menschen, sie fasziniert eher mit ihren Irritationen: Warum überhaupt diese Pracht? Warum legen die Menschen ihre Kleider auf die Straße, über die Jesus dann reitet? Warum ist es ein junger Esel? Und vor allem: Woher weiß Jesus, dass dieses Tier im Nachbardorf auf ihn wartet? Die Spannung des Palmsonntags liegt zum einen in der unverstellten Begeisterung der Menschen für Jesus, zum anderen in einer gewissen Vorbestimmtheit, von der die Menschen nichts ahnen.

Der Palmsonntag bleibt im Gedächtnis der Menschheit darum eingeschrieben, weil wir den weiteren Verlauf der Geschichte kennen, die Passion Jesu — sein qualvolles Sterben am Kreuz. Der Palmsonntag weist über den Jubel des Tages und die Klage über den Tod weit hinaus, denn der Einzug in Jerusalem intoniert die spätere Auferstehung, den Sieg des Lebens über den Tod. Da steht dann kein Esel mehr zur Verfügung, auf dem geritten wird; keine Palmenzweige und Kleider sind ausgelegt. Es wird nur eine einzige Zeugin geben — die Apostolin der Apostel, wie sie später genannt wird: Maria von Magdala.

(RP)