Das Einhorn ist so beliebt wie noch nie - auf den Spuren des Trends

Auf den Spuren eines Trends : Wo bitte geht es zum Einhorn?

Auf Schokolade, Duschgel und als Kostüm - Einhörner sind derzeit so beliebt wie lange nicht. Woher kommt der Hype um das Fabelwesen? Wir sind auf Spurensuche gegangen.

Nicht mal einen Tag hat es gedauert, dann war die Einhorn-Schokolade von Ritter Sport ausverkauft. Rund 150.000 rosa Tafeln kamen im November 2016 mit dem Slogan "Quadratisch. Magisch. Gut." auf den Markt, wurden von der Firma aber nur im Internet vermarktet.

"Wir haben keine Werbung dafür gemacht, sondern nur auf unserem Blog und auf Facebook bekanntgegeben, dass diese Sonderedition herauskommt", sagt Franziska Schlotz, Sprecherin bei Ritter Sport. "Die Verbreitung hat sich dann verselbständigt wie ein Schneeballeffekt." Mit einem gewissen Erfolg hatte der Hersteller zwar gerechnet, "aber diese Nachfrage hätten wir uns selbst nicht ausmalen können", sagt Schlotz.

"Ich stehe mit beiden Beinen fest im Glitter"

Im Internet ist das Einhorn schon seit Jahren ein Phänomen. Immer wieder taucht das weiße Pferd mit dem Horn auf dem Kopf auf. Meist als comichafte Darstellung mit rosa Mähne. Gerne auch mit Sprüchen wie: "Ich stehe mit beiden Beinen fest im Glitter".

Warum das Fabelwesen und das Internet so eng miteinander verbunden sind, ist nicht klar. Spätestens mit der rosa Schokolade wurde der Trend aber endgültig aus den virtuellen Weiten in die Realität katapultiert. Laut Googletrends möchten Karnevalisten dieses Jahr nichts lieber tragen als ein Horn auf dem Kopf. Manche basteln sich dazu Flügel aus Regenbogenfarben oder in rosa. Natürlich darf Glitzer in Gesicht und auf den Armen nicht fehlen. Und je nach Geschlecht, kommt das Kostüm meist entweder mit einem Tüllrock oder mit einem falschen Pferdefellkörper daher.

Auch die Suchanfragen für den Begriff "Einhorn" sind seit November 2016 deutlich gestiegen. Das Pummeleinhorn, ein Kuscheltier aus einem Gocher Startup-Unternehmen, ist seit Weihnachten ausverkauft. Discounter ziehen mit Einhorn-Smoothies und Kaffee-Produkten nach. Aber warum nur?

Einhörner als Retter aus der Krise

"Das Einhorn ist schon ein ganz altes mythologisches Symbol, das nie vollständig verschwunden ist", sagt Trendforscher Peter Wippermann. "Es steht für eine freundliche und optimistische Weltvorstellung, mit der sich die Realität wunderbar kompensieren lässt." Laut Wippermann kommt und geht der Trend um das Einhorn deshalb in Wellen. "Es taucht immer dann auf, wenn die Gesellschaft besonders unruhig ist."

Werbeexperten schätzen das Phänomen ähnlich ein. "Einhörner stehen für alles, was selten ist. Sie sind grundsymphatisch und leben im guten Feenwald", sagt Lars Cords, Partner bei Scholz & Friends. Ein Image, das sich gut für ein Produkt nutzen lässt. Vor allem in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft ohnehin nach heilen Fantasien und Fabelwelten sehnt, meint Cord. "Wenn es noch in einer limitierten Edition herauskommt, schließt sich der Kreis." Das Produkt selbst wird dann zum schwer auffindbaren Einhorn – und wird entsprechend begehrt.

Der Trick mit den Sondereditionen

Dass sich die Menschen in Deutschland gerade jetzt nach Glitter, Regenbogen und Fabelwesen sehnen, ist also vorwiegend Schokoladen-gemacht. Den Rest übernahm das Timing. Denn kurz auf die Veröffentlichung der Sonderedition folgte der Karnevalsbeginn am 11. November. Die Experten Cords und Wippermann sprechen von einem sich selbst verstärkenden Trend.

Ritter Sport findet eine noch eindeutigere Antwort: "Auf unserem Blog können Kunden ihre eigene Sorte kreieren. Und die Themen Einhorn und Glitzer kamen immer wieder auf." Die Idee der Firma: Zum Einhorntag am 1. November eine entsprechende Sonderedition herausbringen.

"Weil wir gesehen haben, dass das Thema in den sozialen Medien 2016 schon sehr beliebt war, dachten wir, das könnte ähnlich wie die 'Äffle und Pferdle-Edition' funktionieren, sagt Sprecherin Schlotz. Eine regionale Idee, die aus einem schwäbischen Zeichentrickfilm entstanden ist. "Äffle und Pferdle war so erfolgreich, dass wir dachten, das machen wir wieder." Als nächstes war die Einhorn-Schokolade dran. Deren regionaler Bezug war allerdings kein Bundesland, sondern das Internet.

"Aber da kann man sehen, welche Kraft die sozialen Netzwerke haben. Die Geschichte ist von ganz alleine viral gegangen und als es zum Phänomen wurde, haben auch noch die Medien darüber berichtet. Das hat dem Hype den letzten Anstoß gegeben", sagt Schlotz.

Dem Trend könnte es aber schon bald gehen wie den Einhörnern in den Geschichten: Kaum sind sie aufgetaucht, sind sie auch schon wieder weg.

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(ham)