Studium und Spitzensport: Zwischen Hörsaal und Hockeyfeld

Studium und Spitzensport : Zwischen Hörsaal und Hockeyfeld

Studieren als Spitzensportler: Tessa Schubert studiert Jura und spielt Hockey in der deutschen U21-Nationalmannschaft.

Wenn Tessa Schubert in der Bahn hört, dass sich Studenten über die hohe Belastung im Studium beklagen und sich beschweren, dass sie kaum Freizeit haben, kann sie nur lachen. Denn die 19-Jährige studiert nicht nur im vierten Semester Jura an der Heinrich-Heine-Universität, sondern spielt nebenbei auch noch beim DHC und in der deutschen U21-Nationalmannschaft Hockey. Dass die Kaderathletin den Sport und den Uni-Alltag unter einen Hut bringen kann, hat sie unter anderem auch der guten Betreuung von Spitzensportlern an der Hochschule zu verdanken.

An der Heinrich-Heine-Universität gibt es seit 2009 eine sogenannte Vorabquote für Sportler, die einem Kader eines Bundesverbandes des Deutschen Olympia Sportbundes angehören. Zwei Prozent der Plätze in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen sind somit für Spitzensportler reserviert.

"Viele Sportler schaffen ihr Abitur nicht unbedingt mit den besten Noten. Sie sollen durch die Quote dennoch eine Chance erhalten, studieren zu können", erklärt Simone Jawor-Jussen vom Studierenden Service Center der Heine-Uni, die sich auch um die Betreuung von studierenden Spitzensportlern kümmert.

Für Tessa stand nach dem Abitur fest, dass sie neben dem Sport auch noch ein zweites Standbein braucht. In ihrem Verein wurde sie nicht nur zum Thema Ausbildung beraten, sondern ihr wurde dort auch nahezu der ganze Bewerbungsstress abgenommen.

"Es ist wichtig, dass man so gute Unterstützung im Rücken hat", findet die Studentin, die schon seit 15 Jahren Hockey spielt. Der Studienstart wurde ihr dadurch sehr erleichtert. Tessa ist nicht die Einzige in ihrer Mannschaft, die studiert. "Ich weiß noch von mindestens drei anderen Mitspielern, die auch an der Heine-Uni sind", sagt sie.

Dass sie sich mit Jura nicht unbedingt einen einfachen Studiengang ausgesucht hat, ist Tessa durchaus bewusst. Dennoch ist sie sich sicher, dass sie das Studium trotz der doppelten Belastung erfolgreich abschließen kann. Im Gegensatz zu ihren Kommilitonen hat sie dafür aber viel weniger Freizeit. In der Regel hat sie nur einen Tag in der Woche frei, an dem nicht trainiert wird. Die Wochenenden gehen oft für Spiele drauf. Nebenbei muss sie auch noch den Stoff aus den Vorlesungen nachholen, die sie zwischendurch verpasst. Stressig wird es besonders dann, wenn die Klausurtermine mit Länderspielen kollidieren.

"Ich kann schlecht Klausuren aufschieben, denn die Nachschreibetermine sind meistens erst ein Jahr später. Und dann kommen ja schon die nächsten Prüfungen", meint Tessa. Letztes Jahr musste sie deshalb eine Klausur in den Niederlanden schreiben, wo sie für ein Länderspiel gewesen ist. Vor Ort wurde von der Uni ein Betreuer gestellt, der die Klausur nach Düsseldorf ge-faxt hat.

Im Januar hat Tessa ihre erste Hockey-Hallen-Europameisterschaft in Minsk gespielt. Ihr Traum ist es, auch bald auf dem Feld im A-Kader der Nationalmannschaft zu spielen. "Wenn ich bei einem EM- oder WM-Spiel oder sogar bei Olympia dabei sein könnte, würde ich wohl einen Luftsprung machen", verrät Tessa. Die 19-Jährige will sich aber selbst nicht zu großen Druck machen, damit sie nicht am Ende enttäuscht ist. "Ich lasse das Ganze einfach auf mich zukommen."

Dass viele der studierenden Spitzensportler nicht nur auf dem Feld ehrgeizig sind, sondern auch in der Uni sehr zielstrebig sind, ist Simone Jawor-Jussen von der Sportlerberatung schon aufgefallen. "Die Kaderathleten wissen oft noch mehr als ihre Kommilitonen, was sie erreichen wollen.

Gerade weil sie einer so hohen Belastung standhalten müssen, sind sie meist im Uni-Alltag wesentlich strukturierter und besser organisiert", so Jawor-Jussen. Das Beratungsangebot der Heine-Uni steht nicht nur Kaderathleten wie Tessa zur Verfügung. Auch andere Spitzensportler, die außerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes trainieren, können sich Hilfe bei der Bewältigung des Studienalltags holen.

Weitere Informationen zum Angebot gibt es unter www.hhu.de/spitzensport

(RP)
Mehr von RP ONLINE