Zukunftsperspektiven: Wo Akademiker viel verdienen

Zukunftsperspektiven : Wo Akademiker viel verdienen

Über Geld wird selten gesprochen. Doch viele junge Menschen fragen sich, in welchen Branchen sie gut bezahlt werden.

Ein abgeschlossenes Studium macht sich bezahlt. Laut aktuellen Analysen von Step-Stone bekommen Akademiker bereits beim Berufseinstieg im Schnitt etwa 11.600 Euro mehr Gehalt als Nicht-Akademiker. Dieser Unterschied wächst mit langjähriger Berufserfahrung auf circa 28.600 Euro an. Die Höhe des Einstiegsgehalts ist dabei im Wesentlichen vom Studienfach, der Branche, der Größe des Unternehmens und der Region abhängig.

Zahlreiche Studien haben sich mit dem Thema bereits beschäftigt. „Die Angaben schwanken für das Einstiegsgehalt von Akademikern zwischen durchschnittlich 32.000 und 49.000 Euro brutto, wenn man von den Arztberufen absieht“, erklärt Professor Dr. Gottfried Richenhagen, Professor der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre und Wissenschaftlicher Gesamtstudienleiter des FOM Hochschulzentrums in Wesel. „Sie sind mit etwa. 53.000 Euro absoluter Spitzenreiter. Es folgen die Naturwissenschaftler, wie Physiker, Chemiker, Mathematiker und Wirtschaftsingenieure mit circa 49.000 Euro, am Ende der Reihenfolge finden sich die geistes- und erziehungswissenschaftlichen Berufe mit circa 32.000 bis 36.000 Euro Jahresgehalt.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Analysen der Firma StepStone. Auch hier dürfen Studierende des Wirtschaftsingenieurwesens und Naturwissenschaftler nach ihrem Abschluss mit guten Gehältern rechnen, gefolgt von Absolventen der Ingenieurswissenschaften, Mathematiker und Informatiker sowie Wirtschaftsinformatiker. Mit durchschnittlich 45.900 Euro brutto können Rechtswissenschaftler rechen, etwas weniger verdienen Wirtschaftswissenschaftler oder Psychologen. Unter 40.000 Euro Brutto-Jahresgehalt erhalten Absolventen der Fachrichtungen Sozial- oder Erziehungswissenschaft, Lehramt oder Architektur.

Generell gibt es jedoch viele Faktoren, die das Gehalt beeinflussen. „Der Master lohnt sich“, weiß Professor Richenhagen. „Er wird im Allgemeinen mit einem höheren Einstiegsgehalt von oft mehreren Tausend Euro ausgestattet.“ Ein entscheidender Punkt ist zudem die Branche. „Dieselben Positionen werden in Unternehmen verschiedener Branchen unterschiedlich vergütet“, weiß André Schaefer, Gehaltsexperte bei StepStone. „Wer also beispielsweise in der Pharmabranche seinen Berufseinstieg wählt, wird deutlich mehr verdienen als der Durchschnitt.“

Auch der Standortfaktor spielt eine Rolle. „Unternehmen in Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg zahlen deutlich mehr als Unternehmen aus Sachsen oder Thüringen“, erklärt Schaefer. „Außerdem gilt die Faustregel: Je größer ein Unternehmen, desto höher die Gehälter. In Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern können Berufseinsteiger im Schnitt mit bis zu 4000 Euro brutto jährlich mehr rechnen als Fachkräfte, die in kleinen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern starten.“

Studiengänge wie Informatik, Physik, Medizin oder Wirtschaftschemie können ein hohes Einstiegsgehalt ermöglichen. „Sie stellen jedoch keine Garantie dar“, betont Dr. Ilke Kaymak, Abteilungsleiterin Career Service der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Neben guten bis sehr guten fachlichen Nachweisen ist es für die meisten Arbeitgeber auch wichtig, welche Praxiserfahrung und welches Engagement einzelne Bewerber mitbringen.“ Letztendlich ist der tatsächliche Erfolg einzelner Absolventen von komplexen Bedingungen abhängig. „Die persönliche Leistung sowie die Erfahrungen während des Studiums in Form von Praktika oder Nebentätigkeiten spielen wichtige Rollen“, erklärt Dr. Ilke Kaymak. „Wichtig ist auch das Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten.“

Für die Wahl des Studienfaches spielt das mögliche Gehalt eher eine untergeordnete Rolle. „Auf die Frage, was eine berufliche Tätigkeit bieten müsste, um zufrieden zu sein, rangiert ein hohes Einkommen in der 17. Shell Jugendstudie erst an achter Stelle“, weiß Professor Richenhagen. Tabellenführer sind „Ein sicherer Arbeitsplatz“ und „Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen“. Die EY-Studentenstudie 2018 kommt zu einer stärkeren Gewichtung der Verdienstmöglichkeiten. Sie stellt zudem dar, dass gute Verdienstmöglichkeiten für Mediziner, Ingenieure, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler wichtiger sind als für Geisteswissenschaftler.

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