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Weibliche Persönlichkeiten in der Musikwelt

Kolumne Studentenleben : Wo sind eigentlich die Frauen?

Große Komponisten fallen den allermeisten Menschen mühelos ein. Aber wie sieht es mit berühmten Vertreterinnen in der Szene aus? Unser Autor vermisst den Blick auf weibliche Persönlichkeiten, und er ist mit dieser Ansicht nicht alleine.

Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Cage und Lachenmann. Alles großartige Komponisten und prägnante Namen, die in einem musikalischen Studium nicht fehlen werden. Aber wie sieht es eigentlich mit deren weiblichen Kolleginnen aus? Dass viele ins Stocken geraten, eine solche Liste mit Komponistinnen aufzuzählen, zeigt genau das Problem: Bedingt durch unsere einseitige Perspektive der Geschichtsschreibung, fallen viele bedeutende und innovative weibliche Persönlichkeiten aus Musik, Kunst und darüber hinaus, völlig zu Unrecht unter den Tisch.

Auch im Studium wird dieser Missstand in Kursen deutlich. In den meisten Fällen sind Referenzmaterialien männlich dominiert, man rechnet sowieso nicht damit, dass Frauen vorgestellt werden. Und wenn es mal so ist, überrasche es eher, meint Isabella, die ich als eine von drei Kommilitoninnen zu diesem Thema befragt habe. Laura sagt, man habe das Gefühl, dass es nur diese Männer gebe und sich allein daran orientiert werden könne. „Ich habe gemerkt, dass dieser Umstand mich nicht erfüllt, da das alles nicht in meinem Umfeld stattfindet und mich repräsentiert.“ Juliane stellte fest, dass ihr auch selbst nicht so viele Referenzen eingefallen sind. „Eigentlich müsste ich ja so etwas wissen, eben weil ich eine Frau bin. Das ist aber auch eine Falle.“ Deshalb begann sie irgendwann damit, Biografien von Künstlerinnen zu lesen, denn „Vorbilder sucht man sich ja immer“. Sie ergänzt, dass es in der Schule früher ähnlich war: „Bei den meisten wurde wahrscheinlich im Deutschunterricht auch keine Autorin gelesen.“ Stattdessen Shakespeare, Goethe, Mann und Brecht. Hier wieder das gleiche Problem. Isabella beschreibt, dass seitdem ihr das einmal aufgefallen war, sie immer häufiger daran denken musste. „Ich hatte danach das Gefühl, selbst Arbeit leisten zu müssen, um Künstlerinnen zu finden.“ Als Laura so ihre eigenen Vorbilder suchte, habe sie gemerkt, dass es noch so viel mehr gibt als „die Männer“. „Vor allem das Geniesein ist männlich behaftet.“ Irgendwann kam dann der Punkt, an dem sie anfing, diese Unausgewogenheit anzusprechen. Die dafür erhaltene Gleichgültigkeit und das Augenrollen, sind häufig auftretende Reaktionen, „wenn man in dieser Hinsicht neue Wege einleiten will.“

Juliane wünscht sich in solchen Situationen mehr Unterstützung von allen, die genauso denken. „Ich fände es schön, wenn man merkt, dass es ein Kampf ist, den man gemeinsam gewinnen kann. Es ist nicht Männer gegen Frauen. Man braucht ein gemeinsames Verständnis – ähnlich wie in einer Freundschaft, in der man sich bei einem Streit einig wird.“