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Professorin Edda Pulst macht Studenten in Nahost berufsfähig

Kolumne Dozentenleben : Deutsch-Jordanisches Duo

Deutschland hilft, dass junge Menschen ihre Chance in der Heimat bekommen. Unsere Autorin hilft dabei, Studenten in Nahost berufsfähig zu machen. Sie berichtet von ihren Erfahrungen aus Jordanien.

„Enttäuschung ist Schmerz der Träumer.“ Der Satz des israelischen Schriftstellers Amos Oz kommt mir in den Sinn. Adil, der an der deutschen Uni Impfausweise kontrolliert, klagt: „Ich wollte weg aus Syrien. Deutschland schien so viel zu bieten. Jetzt arbeite ich mit syrischem Studienabschluss als Corona-Kontrolleur.“ Das Leben sei unfair –sein Eindruck.

Stimmt. Wir hier haben nix dafür getan, auf der scheinbar richtigen Seite geboren zu sein, spüren aber den 3.500 Kilometer entfernten Krieg: Auf 105 Deutsche kommt ein Flüchtling aus Syrien. Das ist gar nichts – gemessen an dem, was Jordanien wegsteckt. In dem 10-Millionen-Land ist jeder 15. Bewohner syrischer Flüchtling – zusätzlich zu den 67.000 Irakern und 2,3 Millionen Palästinensern. Überdies gehört das schöne Königreich zu den wasserärmsten Ländern der Welt und kämpft mit geringem Wachstum. Immerhin: Der Tourismus, die entscheidende Säule der Wirtschaft, rappelt sich gerade wieder auf.

Deutschland hilft – mit der GIZ, Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit: Bei Wasser, Umwelt und Berufsbildung. Dass qualifizierte Arbeitskräfte ins Ausland abwandern, ein sogenanntes „Brain-Drain“, kann sich die Region nicht erlauben. Sie ist dringend angewiesen auf kluge Leute. Die GJU, German Jordanian University, Fachhochschule nach deutschem Prinzip, leistet hierzu ihren Beitrag und nimmt auch syrische Flüchtlinge auf – der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt sie dabei.

Mit der Methode adapt2Job® machen wir die Studierenden an der Deutsch-Jordanischen Uni fit für Berufe in ihrem Heimatland. Dabei lehren Professorin und Forschungschef der in NRW ansässigen SMSgroup als Duo. Plus Firmen vor Ort und Fragen im Blick: Was braucht der Arbeitsmarkt? Welche Absolventen benötigen die Firmen? Welche Rolle spielt Informationstechnik?

Vorigen Monat gingen wir mit „Klimawandel und Digitalisierung“ an den Start. Die 25 besten Studierenden aller Disziplinen waren an Bord – mit Aussicht auf Job oder Selbständigkeit. Energie und Engagement formten Geschäftsideen – für Abwasser, Logistik und Software. Rand, Studentin des Maschinenbaus, arbeitet jetzt in einer jordanischen Firma für Künstliche Intelligenz.

2022 geht’s weiter in Jordanien: Mit Studenten den Klimawandel vor der eigenen Tür anpacken. Am Ende müssen überall gute Leute sitzen. Wir leben auf einem Planeten – die „richtige“ Seite der Welt gibt es nicht. Das Deutsch-Jordanische Duo als ein möglicher Weg: Entwicklung in Jordanien statt Enttäuschung in Deutschland.