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Praktika können viele Berufsstarter sich nicht leisten

Kolumne Studentenleben : Arbeit nervt!

Der Start ins Berufsleben birgt so manche Hürde. Unser Autor bedauert vor allem die schlechte Bezahlung für Praktika. Fast jeder Berufsstarter benötigt sie, um Erfahrungen zu sammeln. Aber nur wer finanziell unabhängig ist, kann sich dies eigentlich leisten.

Der Einstieg ins Berufsleben ist unfair. Was keiner will, aber jeder muss, wird durch eine Vielzahl ineinander verflochtener Umstände immer schwerer – das ist vor allem dann problematisch, wenn es nicht für alle Berufsstarter gleichermaßen schwerer wird.

Memes dazu gibt es schon so lange, dass man vom ständigen daran-erinnert-werden genervt ist; Stichwort: unser brennender Planet. Da jene Internetkunst ohnehin von einer eher jungen Gruppe Menschen erstellt wie konsumiert wird, wundert dies aber irgendwie auch nicht, denn sie erleben diesen Missstand seit Jahren am eigenen Leib. Ein Beispiel: Ein gängiger Einstieg in bezahlte Tätigkeiten sind Praktika. Die Zeiten, in denen ausschließlich Kaffee gekocht wurde, mögen größtenteils passé sein, schlecht bezahlt bleiben die Jobs trotzdem.

Möchte man jedoch einen Einblick gewinnen, nimmt man den Umstand in Kauf und hofft, genug Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen zu können, um die magere bis fehlende Entschädigung auszugleichen. Die Voraussetzung, um solch einen Kompromiss aber eingehen zu können, ist die finanzielle Sicherheit, im Zweifel über Monate hinweg, Vollzeit unentgeltlich zu arbeiten. Wer es sich leisten kann, zieht’s durch – wer nicht, bleibt außen vor. Ist das fair? Wahrscheinlich nicht, aber auch schwer ersichtlich, wenn es um die Frage geht, ob jeder Mensch in diesem Land tatsächlich die gleichen Ausgangsvoraussetzungen hat. 

Das zieht sich durch jegliche Berufsfelder, solch „indirekte“ Ungleichheit durch unzählige gesellschaftliche Strukturen. Beim Beispiel der Praktika ist dies für Unternehmen oftmals aber auch kaum anders möglich. Gerade bei kleineren Unternehmen fehlen die Mittel, um Praktikanten und Praktikantinnen angemessen zu bezahlen. Mit „angemessen“ könnte als Minimum der Mindestlohn gemeint sein. Was bei einer Vollzeitstelle dabei rausspringen müsste, ist leicht auszurechnen. Kriegt man stattdessen wenige bis null Euro, ist das für einen Großteil nicht stemmbar – sie werden indirekt ausgeschlossen, schließlich lässt sich davon nicht mal die Miete finanzieren. Künstlich hält sich das System selbst am laufen, weil es genug Anwärter gibt, die trotzdem bereit sind, solche Jobs anzunehmen. Sie mögen sich damit selbst ins Bein schießen, sind aber auch nur Opfer des eigenen Umfelds. 

Zur Vielzahl ineinander verflochtener Umstände gehört schließlich auch das Geld, das an allen Ecken und Enden fehlt – vor allem in Kultur- und Sozialbranchen, die nicht in erster Linie der reinen Profitoptimierung dienen, obwohl sie für das gesellschaftliche Zusammenleben nicht minder relevant sind. Wo ist das Geld also hin?