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Luca Schafiyha über sein Auslandssemester in Bologna

Kolumne Studentenleben : A presto, Bologna!

Studieren mit italienischem Flair hat unser Autor während seiner Zeit in Bologna erlebt. Ob das Essen, kulturelle Veranstaltungen, oder das Nachtleben – er wird vieles vermissen. Vor allem aber die Menschen.

Es geht wirklich so schnell manchmal. Gerade war es noch Februar. Auch hier, in der norditalienischen Universitätsstadt Bologna, ist es bitterkalt. Ganz wie zu Hause in Düsseldorf. Bibbernd stehe ich vor dem geschlossenen Raum des International Office meiner neuen Gastuni, um mich im Rahmen meines Erasmus Stipendiums anzumelden.

Außer mir stehen noch ein paar andere internationale Studierende etwas verloren in dem großen Foyer. Fragende Blicke, man hilft sich gegenseitig. Es liegt eine Mischung aus Neugierde und leichter Unsicherheit in der Luft. Ich werde zunächst abgewiesen, da die Anmeldung wohl nur online erfolgen könne, aufgrund der noch herrschenden Covid-Maßnahmen der italienischen Regierung.

Gefühlt einen Wimpernschlag, jedoch viele Eindrücke, zahlreiche Erlebnisse und noch mehr Aperol Spritz später, stehe ich an gleicher Stelle. Es ist Ende Juni, affenheiß, und ich muss im selben Büro meine Abmeldung vornehmen. Die Infoblätter zu den Pandemiemaßnahmen an der Pinnwand sind vergilbt und und wurden überklebt mit Aufrufen zu Solidaritätskundgebungen zum Ukraine-Krieg sowie Spendenkonten für Hilfsorganisationen. Ab und zu sehe ich ein bekanntes Gesicht vorbeigehen. Man nickt oder lächelt sich zu. Eine gewisse Schwermut schleicht sich ein, werden das doch nun die letzten Tage in der Stadt sein, die sich in den letzten Monaten als genauso vielseitig und wunderbar entpuppt hat, wie es mir vorher erzählt wurde.

Angefangen beim Essen – sei es das weltbekannteste, nach Bologna benannte Pasta-Gericht, oder die Tortellini und die zahlreichen anderen Spezialitäten der norditalienischen Provinz Emilia-Romagna. Bologna bietet wirklich eine Menge.

Ich denke an die zahlreichen Museen, die Kunst und Kultur-Ausstellungen, die Filmfestivals, die wöchentliche Märkte und die Bars und Kneipen, die das studentisch geprägte Nachtleben Bolognas ausmachen. Gerade im Sommer reihen sich die größtenteils kostenlosen Events fast täglich aneinander. Musikfestivals, Tanzveranstaltungen, Open-Air -Lesungen und vieles mehr reichen sich die Klinke in die Hand. Mich beschleicht das ungute Gefühl, jetzt, wo es am schönsten ist, gehen zu müssen.

Die geografische Lage Bolognas konnte ich mir sehr gut zunutze machen. Parma, Modena, Ferrara und Ravenna liegen allesamt in Reichweite und gaben tolle Tagestrips her. Mailand, Venedig und Verona sind ebenfalls erreichbar, und ich denke gerne an meine Wochenendreisen in die Piemont-Region um Turin, sowie die malerischen Cinque Terre an der italienischen Rivera in Ligurien.

Neben den ganzen Reise- und Aktionsmöglichkeiten ist es aber vor allem das Student-Sein, was ich am meisten an Bologna vermissen werde. Das nächtliche Beisammensitzen am proppenvollen Piazza Verdi, die unschlagbar günstige und trotzdem gute Pizza auf dem Heimweg danach. Die Konzerte im Giardini Montagnola oder picknicken im Giardini Margherita. Die Raves in alten Fabrikgeländen und (ehemals) besetzten Häusern. Die Kundgebungen und Demonstrationen der studentischen Vereinigungen auf dem historischen UNESCO-Weltkulturerbe des Piazza Maggiore und ja, sogar das gemeinsame Lernen in den zahlreichen, mit Fresken verzierten, altehrwürdigen Bibliotheken dieser wunderbaren, roten Stadt. Ich werde deine Arkaden und deine Lebensart sehr vermissen, Bologna. A presto!