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Kolumne Studentenleben: Über den Kampf um das richtige Seminar

Kolumne Studentenleben : Nächtlicher Wahlkampf am PC

Der Kampf um einen Platz im Wunschseminar wird an der Uni nur noch online ausgetragen. Das kostet Nerven und kann auch für Frust sorgen. Unser Autor weiß aus Erfahrung, dass manchmal auch die Notlösung ein guter Griff sein kann.

Es ist Montagabend, 23.58 Uhr. Panischer Blick aufs Handy. Okay, durchatmen, Internetverbindung checken, Finger knacken. 23.59 Uhr. Die nächsten Sekunden entscheiden über Leben und Tod der wissenschaftlichen Laufbahn. Digitaluhr im Blick, ein Finger auf der Maus. Pünktlich um 0 Uhr wird die Seite neu geladen. Schnell, schnell, schnell. Wie die Windhunde stürzt sich eine Menschenmasse auf die besten Angebote. Um 0.02 Uhr ist wieder alles vorüber. Stille.

Was klingt, wie eine Fütterung von Wildtieren, ist zwei Mal im Jahr der normale Wahnsinn für viele Studierende. Hier geht es nicht um Konzerttickets, nein, hier geht es um die Wahl der Seminare für das neue Semester. Durch eine begrenzte Anzahl von Plätzen wurde die Studierendenschaft schon länger darauf konditioniert, pünktlich um 0 Uhr auf das Vorlesungsverzeichnis zuzugreifen und sich für die Lieblingskurse anzumelden.

Doch auch eine pünktliche Anmeldung bedeutet nicht die Zulassung. Manchmal denkt man, dass man der oder die Schnellste gewesen sein muss, nur um sich dann später doch auf der Warteliste wiederzufinden. Derartigen Frust habe ich als Fachschaftsrat schon zu Genüge mitbekommen. Von meinen eigenen Flüchen, weil das coole Praxisseminar doch nicht geklappt hat bis zu der Frage von manchen Studierenden, ob man nicht „die Uni verklagen kann“, weil es unfair sei, dass man nicht seine Lieblingskurse bekommen habe.

Ich kann diese Reaktionen teilweise verstehen. Insbesondere Studierende mit Nebenjobs müssen oft so wählen, dass sich Arbeit und Studium verbinden lässt. Und auch ich habe lieber ein Seminar zu einem Thema, für welches ich brenne, als eines, welches mich nicht interessiert. Doch ich habe auch gelernt, dass manche „Notlösung“ sehr spannend sein kann. Vielleicht war der Titel nicht so griffig wie der des anderen Seminars, dafür waren die Dozierenden aber dann freundlicher und zuvorkommender bei der Planung von Abschlussarbeiten.

Als ich nun zum ersten Mal meine Seminare im Master belegt habe, war ich erstaunt. Um 12 Uhr mittags waren bei manchen Seminaren erst zwei Anmeldungen eingegangen. Ich fragte eine Freundin, ob sie schon ihre Kurse gewählt hätte. Sie meinte, dass das ja noch morgen ginge. Sie hätte noch nicht alle Seminarbeschreibungen durchgelesen und würde lieber nochmal eine Nacht drüber schlafen, als zu voreilig zu wählen. Ich fand das eine gute Sache.

Vielleicht wähle ich beim nächsten Mal dann nicht um 12 Uhr nachts.