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Kolumne Studentenleben: Sommer erleben im Herbst

Kolumne Studentenleben : Eine Prise Sommer im Herbst

Ein Segeltörn nach Kroatien hat die warme Jahreszeit ein wenig verlängert. Das hat neue Eindrücke gebracht – und die Erfahrung, wie schnell auf See aus Fremden Freunde werden.

Ich habe etwas getan, damit hatte ich dieses Jahr nicht mehr gerechnet: Ich war im Urlaub. Sieben Tage lang hatte ich die Sonne im Gesicht und meine Nase im Wind. Segeln in Kroatien. Gemeinsam mit einer Freundin und fünf anderen Menschen. Normalerweise bin ich im Hochsommer mit meiner Familie dort segeln. Dieses Mal außerhalb der Hauptsaison und mit fünf Personen, die ich nicht kenne. Ein kleines Abenteuer.

Das Wetter spielte bei unserem Abenteuer mit. Nachdem es morgens immer noch frisch und kühl war, schälten wir uns nach und nach aus unseren Schichten heraus. Segelten oft in kurzer Hose und T-Shirt los. Wir hatten Sonne satt (okay, da gab es diesen einen Regentag, aber den nehmen wir niemandem übel!). Schwimmen in Buchten, Lesen in Hängematten, Anleger-Bier im Sonnenuntergang. Und das im Oktober. Der Großteil der Gruppe war zum ersten Mal auf einem Segelboot und musste sich erst einmal zurechtfinden. Die zusammengewürfelte Gruppe wurde schnell zu einer Crew, die zusammen gekocht, gespielt und gelacht hat. Die nächtelang zusammensaß und trotzdem am nächsten Tag gemeinsam angepackt hat. Die auch beim Segeln ein eingespieltes Team wurde. Die nicht über die Arbeit und die Uni redete. Die den Alltag hinter sich ließ. Und die sich auf engstem Raum aufeinander eingelassen hat, einander zugehört hat, miteinander diskutiert hat. Wir haben es geschafft, uns gegenseitig Raum zu lassen, wenn es nötig war. Für meine Freundin und mich war es der erste gemeinsame Urlaub – wir kennen uns noch nicht lange. Einige Freundschaften halten solche Urlaube nicht aus. Das hätte auch uns passieren können, und tatsächlich gab es auch bei uns viele Gespräche, die nicht ganz einfach waren. Ein Segelboot gibt eben keinen Raum, Probleme unter den Teppich zu kehren. Von Gespräch zu Gespräch, Situation zu Situation durften wir aber erleben, wie der Segeltörn die Freundschaft wachsen ließ.

Ich weiß, das klingt alles kitschig. An einem der Abende – im Hafen am äußersten Rand der Kornaten, mit dem Vollmond und den Sternen über uns – las meine Freundin an Deck eine Gutenachtgeschichte vor: Die Geschichte von der kleinen Maus Frederick, die statt vieler Essensvorräte für den Winter nur Sonnenstrahlen, Farben und Vogelgesänge sammelte. Das gefiel Fredericks Mäusefreunden nicht, und sie hielten ihn für einen faulen Kameraden. Als sie im Winter dann aber traurig wurden und den Sommer vermissten, erzählte Frederick ihnen Geschichten und machte es ihnen so warm und gemütlich. Am Ende der Geschichte heißt es: „Und weil Frederick die Sonnenstrahlen, die Lieder und die Geschichten gesammelt hatte, kam der Frühling schneller als jemals zuvor. Zumindest dachten das seine Mäusefreunde. Wie gut, dass Frederick so fleißig gesammelt hatte.“ Ich habe auch gesammelt.