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Kolumne Studentenleben: Mehr Ehrlichkeit und weniger Bürokratie

Kolumne Studentenleben : Genug vom Schein, mehr Sein!

Reden statt handeln – dieses Verhalten beobachtet unser Autor derzeit auf allen Kanälen. Er wünscht sich mehr Ehrlichkeit in öffentlichen Debatten und weniger Bürokratie. Der Appell eines Studierenden.

Die Zurschaustellung der vermeintlich eigenen politischen Ansicht hat in den letzten Tagen alle möglichen Kanäle geflutet. Ob auf dem Campus, am Arbeitsplatz oder in sozialen Netzwerken. In heimischer deutscher Tugend, die man sonst auch mal Verblendung nennt, passierte dies allerdings meist nur nach dem Motto: „Reden statt handeln.“ Und im Zweifel wurde sich später einfach dafür entschuldigt.

So macht es etwa der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor, wenn seine Fraktion just gegen das Selbstbestimmungsgesetz für Trans-Personen stimmte und dann vor ein paar Tagen ein Bild mit einer regenbogenfarbenen Maske im Stadion postete. Übrigens auf einem Account, auf dem immer noch ein Foto von ihm zu finden ist, auf dem er mit bemalter Haut Mahatma Gandhi mimt, kein Scherz. Gemeint ist die Scheinheiligkeit, die einem alle Nase lang ins Gesicht gepfeffert wird. Wenn die sogenannten Überbrückungshilfen zwar in der Theorie vorhanden, in der Praxis aber durch bürokratische Hürden kaum zugänglich sind, hat das vor allem eines zur Folge: eine explodierende Studienabbrecherquote. Das sind alles oft benannte Missstände, sogar die Sache mit Söder, warum kommen aber nur warme Worte an? 

Es mag zwar etwas schwach sein, in diesen Tagen unpolitisch zu handeln, doch auch dies gilt als Recht in einer freien Demokratie. Nur ist das öffentliche Brüsten mit Einstellungen, die man nicht vertreten kann oder will, nicht mehr als verwerflich. Ich frage mich: Würden solche, die im Zuge des öffentlichen Diskurses ihre Logos kurz in bunten Farben präsentierten, auch mit Reichsflaggen werben, wenn es nur genug Sympathiepunkte brächte? 

Die Skrupellosigkeit, die Doppelmoral, mit der man seine Medienpräsenz zu schleifen versucht, ist derzeit kaum zu überbieten.

Mein Appell lautet also (er ist eigentlich an alle gerichtet): Wenn Ihr denn wirklich wollt, ist es mit den nötigen Mitteln sicher machbar, tatsächlich etwas gegen offensichtliche Missstände zu bewirken. Und wenn nicht, und es Euch gefällt, wie es gerade läuft, lasst uns diskutieren!