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Kolumne Studentenleben: gedanken zur Hochwasser-Katastrophe

Kolumne Studentenleben : Im Zwiespalt zwischen Alltag und Mitgefühl

Der ständige Regen ging unserer Autorin eigentlich immer nur auf die Nerven. Im Angesicht der Hochwasser-Katastrophe hat sich ihr Blick auf die Dinge geändert. Und sie stellt sich neue Fragen.

Dieser Sommer ist nass. Ich habe zumindest jeden Regenschauer miterlebt und war jedes Mal gerade draußen, unvorbereitet, ohne Regenjacke und mit dem Rad unterwegs. Und jedes Mal war ich bis auf die Haut nass.

Der Satz „Dieser Sommer ist nass“ hat seit einigen Tagen eine ganz neue Bedeutung. Für vergangenen Mittwoch war wieder Regen angesagt – Dauerregen. Für mich war es der einzige Tag der Woche, an dem ich nicht im Homeoffice arbeiten konnte, sondern in die Redaktion musste. Sobald ich auch nur ein paar Meter aus der Türe raus war, war ich klitschnass. Ich muss zugeben: Genau das war an diesem Tag mein einziges Problem. Warum muss ich schon wieder in den (nicht enden wollenden) Regenschauer geraten? Warum muss ich gerade heute überhaupt aus meiner Wohnung raus?

Mittlerweile sind es ganz andere Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Vorrangig ist es das schlechte Gewissen. Mittwochabend dachte ich noch, es sei eine gute Idee eine kleine Instagram-Story über meinen verregneten Bürotag zu posten. Donnerstag setzte ich noch einen obendrauf und teilte einen Post darüber, dass trotz des vielen Regens die Bodenschichten immer noch nicht wieder nass genug sind. „Okay, nehme auch gerne noch weitere Regentage“, waren meine Worte dazu.Jetzt haben sich in den vergangenen Tagen Geschichten gehäuft, die lassen sich nur schwer greifen. Geschichten von Menschen, die in ihrem Alltag von den Wassermassen überrascht wurden. Besonders getroffen hat mich eine Geschichte, von der mir ein Freund erzählte: Von einem Mann, der beinahe in seinem eigenen Bad ertrunken wäre. Eigentlich wollte er nur eben sein Badezimmerfenster schließen, damit das Wasser nicht in die Wohnung kommen kann, dann fällt die Badezimmertüre hinter ihm zu, und das Wasser steigt immer weiter bis es ihm schließlich bis zum Hals steht. Ein Nachbar kann ihn im letzten Moment durch das Badezimmerfenster retten.

Bisher habe ich solche Umweltkatastrophen nur in entfernten Ländern mitbekommen. Jetzt spielt sich das alles nur wenige Kilometer von meiner eigenen Haustüre entfernt ab. Und ich lebe mein Leben einfach weiter. Gehe am Wochenende auf Konzerte und feiere Geburtstage.

Ist das okay? Es fühlt sich nicht so an. Aber ich bin gerade nicht vor Ort, kann nicht mitanpacken. Ich bin hier in meinem eigenen Alltag, und der geht weiter. Und dazu gehören auch die Termine, die ich vor der Katastrophe gemacht habe.

Es wäre leicht zu sagen, dass die Situation für die Menschen vor Ort nicht besser wird, wenn ich mich schlecht fühle und alle meine Termine absage. Aber gleichzeitig ist es eben genau so.

Eine Antwort auf diese ganze Situation ist auf jeden Fall, dass wir alle ganz dringend etwas ändern müssen, allen voran die Politik. Nur, wenn wir es schaffen die Klimakrise einzudämmen, können wir dafür sorgen, dass solche Unwetter nicht zur Regelmäßigkeit werden.

Und solange jetzt vor Ort Hilfe gebraucht wird, können wir Geld oder Sachen spenden. Den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind und wir an sie denken. Und Lehren daraus ziehen für kommende Katastrophen, denn die nächste kommt sicherlich.