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Kolumne Studentenleben: Carina Müller über die Generation Z

Kolumne Studentenleben : Angekommen im „Dazwischen“

Mit Mitte 20 fühlt sich unsere Autorin nicht mehr ganz jung, aber für viele Dinge längst nicht alt genug. Über die Generation Z, eine magische Grenze und neue Verantwortung.

„Du bist jetzt offiziell Mitte zwanzig“, …wurde mir schon vergangenes Jahr gesagt und falsch ist das ja nicht. Jetzt vor Kurzem siezen mich am Skatepark drei 15-jährige Jungs – Das fühlt sich komisch an. Meine beste Freundin sagt mir, während wir alte Fotos schauen: „Damals warst du noch glattgebügelt.“ Da war ich sprachlos.

Ja, das hier wird ein Text über das „Älterwerden“ und einige werden jetzt schmunzeln – Mitte zwanzig, das ist doch nicht alt. Oder wie mein Vater sagt: „Du hast noch drei Viertel deines Lebens vor dir.“

Nennen wir die Zahl beim Namen: Ich bin jetzt fünfundzwanzig geworden. Eine magische Zahl, denn sie markiert für mich schon immer den Übergang in das Erwachsenenleben. Meine Eltern waren „Mitte zwanzig“, als ich geboren wurde. Ich wuchs also mit der Vorstellung auf, dass ich als 25-jährige mit meiner Ausbildung fertig bin, den Menschen für den Rest meines Lebens gefunden habe und schon bereit bin, für ein kleines Wesen Verantwortung zu übernehmen. Um ehrlich zu sein: Diese Vorstellung hielt sich eine ganze Weile.

Und wo stehe ich jetzt? Studium nicht fertig, Single und nicht bereit für Nachwuchs. Nicht ganz, dass was mein jüngeres Ich sich vorgestellt hatte. Habe ich mich selbst enttäuscht? Enttäuschung ist glaube ich das falsche Wort. Es ist vielmehr ein Reality-Check: Meine Eltern waren auch schon damals junge Eltern, aber mittlerweile ist das Durchschnittsalter des Elternwerdens nochmal um circa drei Jahre gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Ich bin noch weit vom Mutterwerden entfernt, nicht nur statistisch: Vor fünf Jahren habe ich mir eine Spirale einsetzen lassen. Damals dachte ich, dass ich nach der Liegedauer der Spirale von drei bis fünf Jahren die Situation anders bewerten werde. Was soll ich sagen: Eigene Kinder sind auch jetzt kein Thema für mich, deswegen eine neue Spirale.

Unserer Generation (Z) wird nachgesagt: Selbstverwirklichung und freie Entfaltung sind uns wichtig – das braucht Zeit. Und auf dem Arbeitsmarkt wird gefühlt auch nach immer mehr Arbeitserfahrung gefragt. So kann ein Studium samt Praktika und Nebenjobs auch schon mal länger dauern – in meinem Fall ist das jedenfalls so. Kurzum: Wir als Generation Z sind – wenn wir den notwendigen finanziellen und emotionalen Support unserer Familie haben – einfach länger „jung“.

Das kann man gut oder schlecht finden. Aber, wenn ich mich so umschaue, sind auch mit 25 viele in meinem Umkreis an dem Punkt, den sich mein jüngeres Ich vorgestellt hat: Bachelor, Master, Ausland und jetzt als Pärchen in der Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung. Die ersten Hochzeitseinladungen flattern durch die Tür. Da ist sie also doch überschritten, diese magische Grenze in das Erwachsenenleben.

Außerdem bekommen meine Eltern ab jetzt kein Kindergeld mehr für mich, ab jetzt muss ich mich selbst krankenversichern und zwischendurch fühle ich mich doch sehr erwachsen. Ich nähere mich der kompletten finanziellen Unabhängigkeit. Ich habe den Job gefunden, der mir Spaß macht, und in dem ich gut bin. Und ich habe mich – zumindest kann ich das in diesem Moment behaupten – selbst gefunden.

Außerdem muss ich jetzt final das Kinderzimmer bei meinen Eltern räumen: Hallo, Ernst des Lebens! Ich bin jetzt angekommen in dem „Dazwischen“ – irgendwo zwischen Jugend und Erwachsensein.
Ich bin gespannt was ich denke, wenn ich dann „offiziell in den 30ern bin“.