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Karin Wilcke über Bewerbungen auf den letzten Drücker

Kolumne Dozentenleben : Fast ein bisschen wie Weihnachten

Entscheidungen auf den letzten Drücker zu treffen, ist generell nicht die beste Lösung, findet unsere Autorin. Das gilt für das Weihnachtsgeschenk in letzter Minute ebenso wie für die Bewerbung für einen Studienplatz.

Was haben das Abitur und Weihnachten gemeinsam? Nichts, meinen Sie? Viel, sage ich, denn beide Ereignisse kommen immer völlig überraschend. Und wie die einen Heiligabend morgens in den Geschäften anstehen, um sich von cleveren Verkäufern die letzten Ladenhüter noch schnell als Geschenke verpacken zu lassen, so rennen die anderen noch schnell zur Studienberatung, um zu erfragen, für welchen Studiengang sie sich mit ihrer Abiturnote zum Stichtag um die Studienplatzbewerbung erfolgreich bewerben können.

Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, der letzte Tag, um überhaupt Weihnachtsgeschenke kaufen zu können, würde nun – sagen wir mal – auf Sankt Martin vorverlegt. Wer bis dahin kein Geschenk hat, kriegt nichts mehr. Basta.

So geht es bei der Studienplatzbewerbung den sogenannten Altabiturienten. So alt sind die noch gar nicht, die meisten werden gerade mal 18 oder 19 sein, doch sie haben schon im letzten Jahr Abitur gemacht. Deshalb gilt für sie die vorgezogene Bewerbungsfrist, der 31. Mai eines jeden Jahres, nicht erst der 15. Juli, der schon seit mehr als 40 Jahren der wichtige Stichtag ist. Und dieser 31. Mai ist eine Ausschlussfrist, danach kann man sich nur noch für zulassungsfreie Studiengänge bei den Hochschulen direkt bewerben.

In diesem Jahr dürften es besonders viele Abiturienten sein, die wegen der Corona-Pandemie und des Distanzunterrichts an den Hochschulen im letzten Herbst noch kein Studium begonnen haben. Für sie heißt es jetzt: schnell entscheiden und bewerben. Es sei denn, sie haben es gemacht wie die Abiturientin, die sich vorsorglich für alle Studiengänge beworben hat, die sie interessieren, von Psychologie über BWL bis hin zu Jura und Germanistik. Und bis die Antworten von den Unis bei ihr einträfen, erklärt sie mir am Telefon, könnten wir in Ruhe ausloten, was denn am besten zu ihr passen würde. Das ist zugegebenermaßen eine clevere wenn auch ziemlich arbeitsintensive Lösung, um noch etwas Zeit zu schinden.

Eigentlich ist es deutlich entspannter, ganz allmählich und gelassen während des letzten Schuljahrs darüber nachzudenken, was man nach dem Abi am liebsten machen möchte, was den eigenen Begabungen und Neigungen am meisten entspricht.

Genauso, wie es viel netter und persönlicher und vor allem entspannter ist, für alle zu Beschenkenden ein individuelles und passendes Weihnachtspräsent nicht erst Heiligabend kurz vor Geschäftsschluss auszusuchen.