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Dozentin Karin Wilcke über starke Frauen in der Stadt Mons

Kolumne Dozentenleben : Frauenpower in Mons

Unsere Autorin ist einem RP-Reisetipp nach Belgien gefolgt. Sie hat dort in historischer Kulisse spannende Dinge über starke Frauen gelernt und eine Botschaft für die Studentinnen von heute mitgebracht.

Kürzlich war in dieser Zeitung ein schöner Reisebericht über die Stadt Mons in Belgien zu lesen. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt dort eine staunenswert gigantisch riesige Kirche, der heiligen Waltraud gewidmet. Im 15. Jahrhundert gaben 19 fromme und sehr wohlhabende und mächtige Stiftsdamen den Bauauftrag für diese Kirche, die in jeder Hinsicht alle anderen Kirchen in den Schatten stellen sollte. Ein außerordentlich kolossaler Bau von Frauen zu Ehren einer Frau. Größer, höher, mächtiger. Besonders der Turm sollte alles bisher Dagewesene übertreffen: Mit seinen 190 nie gebauten Metern Höhe wäre er bis heute der höchste Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster mit 161 Metern weit abgeschlagen, vom Kölner Dom (157 m) ganz zu schweigen.

Stellen Sie sich vor, dass 19 DAX-Vorständinnen, tatsächlich gab es Ende des letzten Jahres 21 Frauen in so einer Position, immerhin 18 Prozent der Vorstandsmitglieder von DAX-Konzernen, dass sich also diese Frauen zusammentäten, um in Frankfurt den höchsten Bankenturm mit ihrem eigenen Hochhaus in den Schatten zu stellen.

Unsere Stiftsdamen leisteten sich zwar den Stararchitekten ihrer Zeit, aber die Bauzeit von zweieinhalb Jahrhunderten übertraf dann doch die Lebenszeit der frommen Frauen. Was sie motiviert hat, ihr Vermögen einzusetzen und so weit in die Zukunft zu planen? Das war ihr großes Vorbild, die heilige Waltraud, eine Power-Frau aus dem Frühmittelalter. Sie entstammte der Königs-Dynastie der Merowinger, hatte mit ihrem Ehemann vier Kinder und gründete nach der Familienphase ein Kloster, um das sich die Stadt Mons entwickelte. Deren Schutzpatronin ist sie bis heute. Waltraud leitete ihr Kloster sehr erfolgreich als Äbtissin und beflügelte noch 800 Jahre später die Stiftsdamen zu ihrem selbstbewussten Bauvorhaben. Adelige Herkunft und eigenes Geldvermögen waren damals die Voraussetzungen für den stolzen Plan und seine Umsetzung. Heute ist ein eigenes hohes Einkommen mit einem entsprechenden Beruf zu erzielen, der Adel wurde inzwischen durch akademische Weihen ersetzt. Höchst nützlich für einen Platz im Aufsichtsrat eines Großunternehmens ist ein abgeschlossenes Studium in den Bereichen Wirtschaft oder Technik. Also, Mädchen, nehmt Euch die heilige Waltraud und ihre Stiftsdamen zum Vorbild, wählt ein aussichtsreiches Studium, werdet (einfluss-)reich und mächtig.

Und dann tut euch mit anderen erfolgreichen Frauen zusammen und setzt ein Projekt um, von dem man noch in 600 Jahren in der Zeitung liest.