Rennsport an der Uni: Am Wochenende meistens in der Auto-Werkstatt

Rennsport an der Uni : Am Wochenende meistens in der Auto-Werkstatt

Mit Autos hatte Jule Jeschonowski nie sonderlich viel zu tun. "Ich habe gerade mal den Führerschein, das war es schon", sagt die 21-Jährige und lacht. Dass die Studentin der Hochschule Niederrhein ausgerechnet das Racingteam leiten würde, hätte sie sich vor dem Beginn ihres Studiums deswegen kaum vorstellen können.

Besonderes Projekt

Rückblickend war es wohl nicht der schnittige Sportflitzer an sich, der Jeschonowski bei der Informationsveranstaltung der Hochschule im Frühjahr 2015 faszinierte. "Ich fand es großartig, dass die Studenten in der Lage sind, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen und wusste sofort: Wenn ich hier studiere, möchte ich auf jeden Fall dabei sein", erinnert sie sich.

Als Finanzministerin begonnen

Dieses Ziel hat Jule Jeschonowski schnell erreicht. Zwei Monate, nachdem sie ihr Wirtschaftsingenieurwesen-Studium in Krefeld begonnen hatte, wurde sie Mitglied im HSNR-Racingteam. "Ich hatte Glück, dass zu der Zeit jemand für die Finanzen gesucht wurde", blickt die 21-Jährige zurück. Dabei hat sie einen ziemlich guten Job gemacht, denn nicht einmal ein Jahr später wählte das Team seine Finanzministerin einstimmig zur neuen Teamleiterin.

Zeitintensiver Einsatz

Seitdem ist Jeschonowskis Freizeit ziemlich rar. "Die Teamleitung ist eine sehr zeitintensive Aufgabe. Da läuft mein Studium fast nebenbei", sagt sie. 14 Stunden verbringt die angehende Wirtschaftsingenieurin jeden Tag an der Hochschule, auch am Wochenende ist sie meistens in der Werkstatt anzutreffen. Schließlich steckt das Team gerade mitten in der heißen Phase: Aktuell wird der Rahmen für den Wagen geschweißt, mit dem es im Sommer bei den Rennen in Italien und Spanien an den Start gehen soll. Ziel ist es, die Top-Ten-Platzierung zu halten, die sich die Mannschaft 2016 erstmals in der Geschichte des HSNR-Racingteams erkämpft hat.

Aspekt des Lernens

So aufregend die Fahrt zu den Rennen ist, für Jule Jeschonowski geht es neben dem Team-Gefühl vor allem um den Aspekt des Lernens. "Die Teamleitung ist wahnsinnig spannend. Bei dem Projekt kann ich ganz praktisch erleben, wie eine Firma funktioniert", sagt sie. Bei ihr laufen die organisatorischen Fäden zusammen. Zudem kümmert sie sich weiterhin um Sponsoren und um die Finanzen. Für das Studium nimmt sie einiges mit: "Für viele Module, wie CAD und Fügetechnik — also unter anderem Schweißen —, die später auf dem Lehrplan stehen, habe ich praktische Anwendungsbeispiele."

Vielseitiges Studium

An ihrem Studium gefällt der Nettetalerin vor allem die Vielseitigkeit: "Von Chemie über Buchhaltung bis zur Elektrotechnik ist alles dabei", sagt Jeschonowski. "Ich sehe inzwischen im Alltag vieles anders und verstehe mehr, was um mich herum passiert." Als angehende Wirtschaftsingenieurin versteht sie sich als Vermittlerin zwischen den Parteien.

"Die Techniker auf der einen Seite haben ihre festen Vorstellungen, von denen sie nicht abweichen wollen, während die Wirtschaftswissenschaftler nur die Kosten im Blick haben. Wirtschaftsingenieure können beide Seiten verstehen und zusammenbringen", erklärt sie. In welchem Bereich sie diese Fähigkeiten später einsetzen möchte, weiß die 21-Jährige aber noch nicht. Trotzdem arbeitet sie hart, um ihr persönliches Ziel, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen, zu erreichen.

Etwas Großes erreichen

Für das HSNR-Racingteam wünscht sich Jule Jeschonowski, dass die Mitglieder weiterhin so gut zusammenhalten und an sich glauben. Sie ist sich sicher: "Nur so können wir gemeinsam etwas Großes erreichen."