1. Panorama
  2. Wissen
  3. Bildung und Hochschule

15.000 freie Lehrstellen: Zu unqualifiziert: Unternehmen finden keine Azubis

15.000 freie Lehrstellen : Zu unqualifiziert: Unternehmen finden keine Azubis

Berlin (RPO). Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) schlägt Alarm. Etwa 20 Prozent der Schulabgänger könnten nicht ausreichen lesen, schreiben und rechnen. Weil qualifizierte Bewerber fehlen, sind im Moment Tausende Ausbildungsstellen unbesetzbar, klagt die DIHK.

Vor allem im Osten macht sich der Mangel an Lehrlingen bemerkbar. Dabei hatte der Deutsche Gewerkschaftbund (DGB) erst vor Kurzen die den Mangel an Ausbildungsplätzen beanstandet.

Laut DIHK gibt es 2010 fast drei Prozent weniger Schulabgänger als im Vorjahr. Richtig dramatisch sei die Situation im Osten. "Hier haben in diesem Jahr 13 Prozent weniger Jugendliche die Schulen verlassen als 2009", bekräftigte Driftmann. "Viele Unternehmen suchen hier händeringend nach qualifizierten Bewerbern." Ausbildungsplätze gebe es daher in fast allen Branchen und Berufen. Doch weil die Bewerber nicht qualifiziert genug seien, müsse ihnen die Hälfte der Unternehmen Nachhilfe beim Lesen, Schreiben und Rechnen erteilen.

Trotzdem haben die Unternehmen in Industrie, Handel und Dienstleistungen demnach bis Ende Juli und somit kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres 227.760 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Damit sei das Niveau des Vorjahresmonats erreicht. Im Westen verzeichnete die DIHK einen Zuwachs von 0,6 Prozent an Ausbildungsverträgen, im Osten jedoch ein Minus von 3,7 Prozent.

Vor knapp einer Woche hatte der DGB beklagt, 2010 würden 106.000 betriebliche Ausbildungsplätze fehlen. Die Gewerkschaft stellte der Wirtschaft und der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus: Nach wie vor beteiligten sich weniger als ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland aktiv an Ausbildung.

"Junge Leute haben die große Auswahl"

Im Handwerk gibt es nun laut "Bild"-Zeitung geradezu einen Lehrstellen-Boom. Wie das Blatt unter Berufung auf den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) berichtet, wurden bis Ende Juli im Handwerk 82.427 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das seien 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich gebe es noch 15.000 freie Ausbildungsplätze allein in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern. "Junge Leute haben die große Auswahl", sagte ZDH-Präsident Otto Kenzler. "In allen Berufen gibt es noch freie Plätze."

Mit Blick auf den Fachkräftemangel beklagte der Bundesverband der Selbständigen (BDS) vor allem ein Problem bei den kleinen Betrieben. Laut einer Mitgliederbefragung haben insgesamt 65 Prozent Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Bei Unternehmen zwischen fünf und neun Angestellten wächst dieser Wert auf fast drei Viertel. Neben dem Handwerk falle auch Betrieben aus Hotellerie und Gastronomie die Personalsuche schwer.

  • Tipps: Was Azubis wissen sollten
  • Krefeld : Krise der Hauptschulen: DGB fordert Schulreform
  • Auf dem Bau sind Rohstoffe knapp
    Konjunkturumfrage der IHK : Die Industrie boomt, bangt aber um die Lieferketten

"Fachkräftemangel und gleichzeitig drei Millionen Arbeitslose, das passt nicht zusammen", erklärte BDS-Präsident Günther Hieber. "Wir müssen alles dafür tun, dass wir den Fachkräftebedarf erst einmal aus den Menschen im Land decken, die bei uns leben."

Hier geht es zur Infostrecke: Die beliebtesten Ausbildungsberufe 2010

(apd/mais)