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Eintauchen ins Sprachbad: Wie zweisprachige Kindergärten arbeiten

Eintauchen ins Sprachbad : Wie zweisprachige Kindergärten arbeiten

Kiel (rpo). Die Fähigkeit, mehrere Sprachen zu sprechen, wird künftig immer wichtiger. Am einfachsten ist es, damit bereits bei Kindern anzufangen. Ein Konzept, Kinder bereits im Kindergarten an eine zweite Sprache heranzuführen, heißt "Immersion" oder zu Deutsch "Eintauchen" - und zwar in ein "Sprachbad".

In Kanada beispielsweise wird es an vielen Einrichtungen für Kinder praktiziert. In einem zweisprachigen Kindergarten spricht eine Erzieherin Deutsch, eine andere ausschließlich die zweite Sprache und verstärkt ihre Worte durch Gesten oder ihr Mienenspiel. Das Ziel: Die Kinder sollen sich die Sprache Stück für Stück aus der Situation erschließen - so wie sie auch ihre Muttersprache lernen.

Die neue Sprache wird nicht in Extra-Stunden vermittelt, sondern ist selbstverständlicher Bestandteil des Kindergarten-Alltags. "Immersion ist kindgerechter als jede andere Methode, weil sie stark motiviert und ohne Zwang und Leistungsdruck auskommt", ist man beim Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (FMKS) überzeugt.

Dennoch sind zweisprachige Kindertagesstätten in Deutschland noch Exoten. Weniger als ein Prozent der Betreuungseinrichtungen gestalten den Alltag in zwei Sprachen.

Wissenschaftlich hat der Kieler Sprachwissenschaftler Professor Henning Wode die Immersionsmethode untersucht. Er kommt zu dem Ergebnis: "Es wäre unverantwortlich, Kindern frühe Mehrsprachigkeit vorzuenthalten."

Denn durch Immersion lernten sie die Sprache deutlich besser als bei herkömmlichem Unterricht. Das Argument, die Kinder könnten mit zwei Sprachen überfordert sein, lässt er nicht gelten: Untersuchungen hätten gezeigt, dass der frühe Erwerb einer zweiten Sprache die Entwicklung der Muttersprache eher fördere.

Und der Kindergarten sollte nach Ansicht der Immersions-Befürworter nur der Anfang sein. Wode wirbt ebenso wie der FMKS für eine Fortsetzung der Zweisprachigkeit in der Grundschule: Mathe, Sachkunde oder Religion werden in der Zweitsprache unterrichtet, nur der Deutschunterricht bleibt deutsch.

(afp)