Düsseldorf : Welche Uni soll es sein?

Abiturienten müssen sich bald entscheiden, wollen sie schon im nächsten Semester studieren. Die Bewerbungsfrist endet im Juli.

Entspannen, verreisen, nichts tun: Nach den Abiturprüfungen und dem Lernstress der vergangenen Wochen möchten viele Abiturienten endlich ihre freie Zeit genießen. Zumindest ein paar Tage davon sollte man aber opfern, um sich mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen. Denn der Sommer und damit die Zeit, sich bei den Hochschulen zu bewerben, kommt schneller, als man denkt. Am 15. Juli endet die Frist für die meisten Fächer. Wir geben Antworten auf die Frage: Abi - und was dann?

Hinsetzen, recherchieren Wer so gar nicht weiß, was er studieren will, sollte gezielt einige Tage Zukunftspläne schmieden. Zunächst mal: Was liegt mir? Welche Interessen habe ich? Was macht mir Spaß? Und: Was will ich nie wieder machen? Eltern, aber auch ältere Freunde sind gute Gesprächspartner. Und: Bloß nicht etwas wählen, weil die Clique oder die beste Freundin es auch macht. "Die Frage ist: Was will ich, was ist mein Wunsch, was passt zu mir", sagt Studienberaterin Karin Wilcke aus Düsseldorf. Im Internet kann man Studienwahltests machen, zum Beispiel beim Onlineportal der Bochumer Ruhr-Universität: www.borakel.de

Auf www.hochschulkompass.de sind zudem alle Studiengänge in Deutschland aufgelistet - dort kann man also sehen, in welcher Stadt man überhaupt was studieren kann.

Inhalte vergleichen Hat man Fächer und Hochschulen gefunden, die einen interessieren, sollte man sich mit den Inhalten der Studiengänge beschäftigen. Viele Abiturienten lassen sich von Worten fehlleiten, warnt die Studienberaterin. "Mit Anglistik oder Romanistik werde ich zum Beispiel nicht Dolmetscher", sagt Karin Wilcke. "Und ein Medienstudiengang kann pädagogisch, technisch oder journalistisch ausgelegt sein."

Hochschulen besuchen "Sich im Anschluss an die Abiprüfungen mit dem Studienwunsch zu beschäftigen, ist wirklich der späteste Zeitpunkt", sagt Wilcke. "Denn im Juni finden überall in Deutschland Tage der offenen Tür an den Hochschulen statt - da sollte man hin." Dort gibt es genauere Informationen zu den Fächern, die einen interessieren. Außerdem ist es wichtig, vor Ort zu sein. "Wer in Düsseldorf lebt, war ja mitunter noch nie in Aachen oder Dortmund", sagt Karin Wilcke. "Man muss sich selbst dort sehen können, der Wohlfühlfaktor auf dem Campus und in der Stadt spielt eine große Rolle." Wer Lust auf eine Deutschlandtour hat, kann das Reisen mit dem Besuch weiter entfernterer Studienorte wie Tübingen oder Heidelberg verbinden. "Außerdem sollte man sich klarmachen, wie groß eine Uni ist: Wenn ich in Münster BWL studiere, darf ich mich nicht wundern, dass ich mit hunderten Menschen in einem Hörsaal sitze", sagt Wilcke.

Fristen beachten Für die meisten Studiengänge, egal ob an Universitäten oder Fachhochschulen, gilt inzwischen: Bis zum 15. Juli muss man sich bewerben. Das geht online über die Webseiten der Unis. Dieser Termin gilt auch für die zentral über www.hochschulstart.de zu vergebenden Studienplätze in Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin. Zugeteilt wird dann nach dem Numerus clausus, also der Abiturnote. "Nur weil ein Studiengang zulassungsbeschränkt ist, heißt es aber nicht, dass ich ein supergutes Abi haben muss", sagt Studienberaterin Wilcke.

Unter www.auswahlgrenzen.de kann man in einer Datenbank nachsehen, bis zu welcher Note im vergangenen Jahr zugelassen wurde. Für jeden Studiengang in jeder Stadt. Je nach Ort können die Zulassungen nämlich variieren. Ein Studienfach kann an einer großen und extrem beliebten Uni zulassungsbeschränkt sein, an einer kleineren Hochschule aber zulassungsfrei.

Ausland oder Praktikum Vielen Abiturienten ist der Gedanke, sofort zu studieren, wenig sympathisch. Gerade nach G8 wollen sie lieber andere Dinge tun, als gleich wieder mit dem Lernen zu starten. Unter www.rausvonzuhaus.de, einem vom Bundesfamilienministerium geförderten Online-Portal, findet man auch kurzfristig noch Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte. "Allerdings sind das eher Workcamps, die nur ein paar Wochen dauern", sagt Karin Wilcke. Für ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland hätte man sich schon Ende Januar bewerben müssen. "Ich rate dazu, erst einmal ein Studium zu beginnen und währenddessen ins Ausland zu gehen. Denn Work & Travel in Australien nützt mir im Lebenslauf gar nichts - und zu einer Studienentscheidung komme ich währenddessen auch nicht", meint Karin Wilcke. Ähnliches gelte, wenn man direkt nach der Schule ein längeres Praktikum plane. "Da bringe ich ja noch keinerlei fachspezifische Fähigkeiten mit und bekomme dementsprechend auch keine verantwortungsvollen Aufgaben übertragen", sagt Wilcke. Besser sei es, während des Studiums ein Praktikum einzuplanen. "Das schätzen die Arbeitgeber - auch wenn das Studium dadurch länger dauert."

Alternative Ausbildung Wer zweifelt, ob er sich ein Studium zutraut, dem rät Karin Wilcke zu einer Ausbildung. "Die Abiturienten sind so jung, sie können später immer noch ein Studium draufsatteln." Derzeit gebe es noch viele freie Stellen - die Jobbörse des Arbeitsamtes lässt sich entsprechend durchsuchen.

(RP)