Düsseldorf: Vom Geförderten zum Förderer

Düsseldorf : Vom Geförderten zum Förderer

Kai Dannenberg wurde im Rahmen des Deutschlandstipendiums drei Jahre lang gefördert. Seit diesem Jahr unterstützt er Studierende.

Es gilt als eines der teuersten Studienfächer überhaupt: Zahnmedizin. Unter anderem muss ein mehrere tausend Euro teurer Instrumentenkoffer angeschafft werden. Zudem ist es durch die vielen praktischen Einsätze in der Zahnklinik vor allem in der zweiten Hälfte des Studiums schwer, überhaupt die Zeit für einen Nebenjob zu finden. Glücklich sind daher alle, die auf andere Art finanzielle Unterstützung bekommen: etwa über ein Stipendium. Dr. Kai Dannenberg, leitender Zahnarzt bei den Pluszahnärzten an der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf, wurde drei Jahre lang über das Deutschlandstipendium gefördert - unter anderem von seinen heutigen Kollegen. "Als ich dann kurz vor dem Examen stand, kam die Frage, wie es weitergehen soll. Ich habe dann hier einige Tage reingeschnuppert - und dann ging alles ganz schnell und ich bin in die Praxis eingestiegen."

Für das Deutschlandstipendium bewarb sich Dannenberg auf Empfehlung seiner Kommilitonen - und dank bester Studienleistung wurde er gleich über mehrere Semester gefördert. Das Deutschlandstipendium funktioniert so: Leistungsstarke Studenten werden von privaten Stiftern oder Unternehmen mit 150 Euro gefördert - der Staat gibt den gleichen Betrag dazu. Die Besonderheit am "Chancen nutzen"-Programm der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf: Das gestiftete Geld wird nicht in einen großen Topf geworfen, sondern Stifter und Stipendiaten lernen sich persönlich kennen, ihr Austausch hilft Netzwerke zu knüpfen und kann - wie bei Dannenberg - sogar zu einem Job führen.

Für den 29-jährigen Zahnarzt war deshalb auch klar, dass er nach dem Berufseinstieg ebenfalls einen Zahnmedizinstudenten fördern will: "Das Studium ist hart, und die Anerkennung durch das Stipendium ist eine große Motivation. Ich habe extrem von dem Stipendium profitiert und möchte das nun zurückgeben." Seine Bereitschaft als Stifter nutzt seit diesem Semester Joel Rockhoff. Der 22-Jährige aus Duisburg studiert im fünften Semester Zahnmedizin in Düsseldorf. "Viele Kommilitonen haben sich auch für das Stipendium beworben - mit Erfolg. Es ist ein Glücksfall, dass mein Stifter auch Zahnarzt ist. Ich finde es toll, ihn hier in der Praxis treffen zu können. Und er kann mir auch Tipps fürs Studium geben. Er war an derselben Uni."

Und so tauschen sich die beiden bei ihrem ersten Treffen dann auch gleich über das Examen aus: 16 Prüfungen warten auf Rockhoff, der sich jetzt erstmal auf das Physikum konzentriert, bei dem vor allem naturwissenschaftliche Inhalte abgefragt werden. Der erste Teil des Studiums sei einerseits handwerklich, andererseits von physikalischen und chemischen Grundlagen geprägt. Das schrecke gleich im ersten Semester viele wieder ab. "Anschließend geht es dann für mehrere Semester in die Zahnklinik, wo man zahlreiche Behandlungen durchführen muss", erklärt Dannenberg. Das sei auch eine große zeitliche Belastung, da man teilweise zwölf Stunden am Stück in der Klinik sein müsse. "Ob ich dann meinen Nebenjob behalten kann, ist also fraglich", sagt Joel Rockhoff. "Da hilft mir das Stipendium sehr. Und natürlich bestätigt es mich und hilft, das Ziel während des Studiums nicht aus den Augen zu verlieren."

Kai Dannenberg ist auch deshalb Stifter geworden, um den Kontakt zur Uni nicht zu verlieren. "So bleibt man am Ball, hat den Kontakt zur Wissenschaft und zum Nachwuchs. Schließlich ist der Alltag in der Zahnarztpraxis ganz anders."

Das "Chancen nutzen"-Programm gewährt das Stipendium übrigens zunächst für zwei Semester, anschließend kann man sich, bei entsprechenden Leistungen im Studium, für eine Verlängerung bewerben. Seit 2009 werden besonders talentierte Studierende der Heine-Uni gefördert. Diese weisen neben ihren exzellenten Studienleistungen oft weitere Besonderheiten wie ehrenamtliches Engagement im Lebenslauf auf. Bei gleichen fachlichen Leistungen wird ein soziales Engagement bei der Stipendienvergabe berücksichtigt. Es können alle Studierende vom ersten Semester des Bachelor-Studiums bis zum Abschluss Master beziehungsweise bis zum Staatsexamen in den Fächern Jura, Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin ein Stipendium erhalten. Das Deutschlandstipendium sollen laut Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2017 bis zu zwei Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen erhalten. Der Leistungsbegriff sei bewusst weit gefasst: Gute Noten und Studienleistungen gehören ebenso dazu wie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen oder das erfolgreiche Meistern von Hindernissen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE