Doppelte Abiturjahrgänge: Unis stocken Kapazitäten auf

Doppelte Abiturjahrgänge : Unis stocken Kapazitäten auf

Schon jetzt sind die Hochschulen überfüllt, obwohl der doppelte Abiturjahrgang erst im nächstem Jahr an die Unis strömen wird. Mehr Studienplätze, größere Hörsäle, längere Vorlesungszeiten – damit versuchen die Hochschulen, dennoch alle Studenten unterzubringen.

Schon jetzt sind die Hochschulen überfüllt, obwohl der doppelte Abiturjahrgang erst im nächstem Jahr an die Unis strömen wird. Mehr Studienplätze, größere Hörsäle, längere Vorlesungszeiten — damit versuchen die Hochschulen, dennoch alle Studenten unterzubringen.

Fast alle melden sie neue Rekorde, wenn es um die Studierendenzahlen geht: Auch in diesem Wintersemester können die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen wieder einen Ansturm der Erstsemester verzeichnen, die meisten haben so viele Studenten wie nie zuvor. Ursachen für den Zustrom: das Aussetzen der Wehrpflicht, eine deutlich gestiegene Studierneigung — und aus anderen Bundesländern strömen Studierende nach NRW, weil keine Studiengebühren erhoben werden oder weil woanders bereits dieses Jahr doppelt so viele Schüler das Abitur gemacht haben.

Die Hochschulen in der Region sehen sich jedoch gut für den Ansturm gerüstet. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bereitet sich seit über einem Jahr auf die steigenden Studierendenzahlen vor. "Unser Interimshörsaal mit zusätzlichen 600 Plätzen bleibt in den kommenden Semestern in Betrieb, bis die erste Bugwelle geschafft ist", sagt Sprecher Julius Kohl.

Die HHU habe bereits im vergangenen Jahr zusätzliche Studienplätze geschaffen; insgesamt plant die Universität bis 2015 die Aufnahme von über 5300 zusätzlichen Studienanfängern. Dafür wurden auch mehr als 200 Stellen sowie über 20 Professuren geschaffen, damit die Studierenden gut betreut werden können.

20 Prozent mehr Kapazität in Düsseldorf

Der wöchentliche Veranstaltungsplan wurde in Düsseldorf so verändert, dass 20 Prozent mehr Kapazität für zusätzliche Lehrveranstaltungen zur Verfügung stehen. Bereits seit dem Sommersemester 2011 besteht eine neue Taktung der Veranstaltungen.

Statt wie bisher fünf Blöcke am Tag sind nun sechs Blöcke von 8.30 Uhr bis 20 Uhr möglich. Weiterhin werden die E-Learning-Angebote ausgebaut. In Köln sind die Servicebereiche des Studentenwerks länger für die Studierenden der Uni, der FH und der Sporthochschule geöffnet, einige Mensen und Kaffeebars sogar samstags. Wegen der bevorstehenden Bafög-Antragsflut mietet das Kölner Studentenwerk im Dezember außerdem neue Büros, um zusätzliches Personal einstellen zu können.

Die Kölner Hochschulen richten ihren Blick in die Zukunft: Da ein großer Anteil der zahlreichen heutigen Bachelorstudierenden in etwas mehr als drei Jahren auf der Suche nach einem MasterStudienplatz sein wird, müsse dort etwas getan werden. Denn die Kapazitäten in diesem Bereich reichten schon heute nicht.

An der Hochschule Niederrhein konnte man in diesem Jahr 3036 Studienanfänger begrüßen, damit wächst die Gesamtzahl der Studierenden auf rund 12 500 Studierende — mehr als je zuvor. Dazu entsteht am Campus Mönchengladbach ein Neubau, der im Frühjahr 2013 fertig sein wird.

Tagungshalle für Großklausuren

Für seine Großklausuren wird der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bis dahin eine Tagungshalle mieten. "Die Fachbereiche haben die Vorlesungszeiten ausgedehnt und bieten jetzt regelmäßig auch von 18 bis 20 Uhr Vorlesungen an", sagt Christian Sonntag, Sprecher der Hochschule Niederrhein.

Ein Problem gebe es noch in den Mensen, wo die Schlangen mittags um zwölf Uhr bis nach draußen gingen. Vorlesungen im Kino — was bisher schon galt, wird an der Uni Duisburg-Essen fortgeführt. Im November beginnen darüber hinaus die Bauarbeiten für die beiden neuen Hörsaalzentren in Essen mit 1100 Plätzen und in Duisburg mit 850 Plätzen.

Gemeinsam mit der Uni Bochum wird Duisburg-Essen außerdem bis 2015 jährlich 45 neue Medizinstudienplätze einrichten, so dass insgesamt 225 zusätzliche Ärzte ausgebildet werden können. An der Fachhochschule Düsseldorf erleben vor allem die Fächer Wirtschaft, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie Elektrotechnik und Maschinenbau einen Ansturm. Die FH stellt deshalb bis 2015 über die Normalaufnahmekapazität hinaus insgesamt 1683 zusätzliche Studienplätze zur Verfügung.

Neben zusätzlichen Lehrund Lern-Räumen werden zentrale Einrichtungen wie die Bibliothek, der Studierenden-Support und die Zentrale Studienberatung ausgebaut. Zudem wird der Bestand an Medien- und Leihmaterial wie Bü- chern, Lernsoftware und anderen elektronischen Medien erweitert. Auch soll es mehr Beratungs- und Betreuungsangebote für die Studierenden geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erstsemester in Düsseldorf: Das Studienfach-Quiz

(anch)