Trügerische Sicherheit: "Taxi Mama" gefährlicher als Fußweg

Trügerische Sicherheit : "Taxi Mama" gefährlicher als Fußweg

Laut einer aktuellen Forsa-Studie wird jedes fünfte Kind mit dem Auto zur Schule gebracht - weil die Eltern den Schulweg für zu gefährlich halten. Vom " Taxi Mama" halten Verkehrsexperten jedoch wenig, denn sie bieten nur eine trügerische Sicherheit.

Im Auto sind Kinder laut Experten der ARAG gefährdeter als zu Fuß. Oft würden sie nicht mit den für sie geeigneten Gurten oder gar nicht angeschnallt. Die Folge: Etwa die Hälfte der im Straßenverkehr getöteten Kinder komme als Pkw-Insassen ums Leben. Gerade mit Kindern ab sechs gibt es häufig Probleme, weil sie keine Lust mehr auf den Kindersitz haben, aber auch noch nicht mit dem Erwachsenengurt angeschnallt werden.

Nicht auf Fahrbahnseite aussteigen lassen

Zudem werden die Distanzen nach Angaben der ARAG zwischen Elternhaus und Schule immer größer, da der Nachwuchs nicht mehr unbedingt die nächstgelegene Schule besucht, sondern eine Schule der Wahl. Größere Distanzen vergrößern aber auch das Gefahrenpotenzial, und die Zahl der Kinder, die zur Schule gebracht werden, steigt.

Was Eltern aber bei diesen täglichen Touren nicht bedenken: Bei der unübersichtlichen Verkehrssituation vor den Schultoren, verursacht durch das Durcheinander von Autos mit denen Kinder in die Schule gebracht werden, steigt die Gefahr für den Nachwuchs. Die Kinder müssen sich durch einen regelrechten Dschungel an Familienkutschen schlängeln und können in der allgemeinen Hektik leicht übersehen werden.

Was Eltern ebenfalls oft vergessen: Ihre Fürsorge nimmt den Kindern die Möglichkeit, auf dem gemeinsamen Schulweg Erfahrungen zu sammeln. In tatsächlichen Gefahrensituationen sind sie dadurch unsicher.

Mit dem Fahrrad sollten aber zumindest Schulanfänger noch nicht losgeschickt werden. Sechsjährige sind damit noch überfordert. Das belegen Zahlen des Bundesverbands der Unfallkassen (BVK) in München. Von den 65.588 Schülern, die 2003 auf dem Schulweg verunglückten, waren 30.349 per Rad unterwegs, 14.674 im Pkw, 5.724 auf motorisierten Zweirädern, 5.448 zu Fuß. 119 Schüler kamen 2003 auf dem Schulweg ums Leben - 69 im Pkw, aber nur 13 als Fußgänger.

Weg gemeinsam üben

Schulkinder sollten erst so spät wie möglich zur Schule radeln. Eltern müssen sich zuvor überzeugen, dass ihre Kinder das Rad sicher beherrschen. Schicken die Eltern ihre Kinder zu Fuß zum Unterricht, sollte der Weg zuvor gemeinsam geübt werden. Für viele Schulen gibt es Pläne mit den sichersten Routen und Hinweisen auf Gefahrenstellen. Dabei dürften Eltern nicht vergessen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie haben nicht den Überblick und verhalten sich mitunter völlig anders, wenn sie alleine oder in der Gruppe sind.

Die größte Gefahr ist die Routine. Im Herbst gibt es mit der veränderten Wetterlage und den schlechteren Sichtverhältnissen eine ganz andere Verkehrssituation. Eltern sollten sich daher nach einiger Zeit vergewissern, ob ihr Kind die guten Ratschläge zum sicheren Verhalten auf dem Schulweg noch beherzigt.

Verhaltenstipps für Autofahrer

Auch Autofahrer müssen sich zum Schulbeginn auf eine veränderte Situation einstellen. So sollten sie mit unüberlegtem Verhalten von Schulanfängern rechnen. Gerade wenn diese in der Gruppe unterwegs sind, achten sie oft nicht auf den Verkehr. Raufen und Herumtoben ist an Haltestellen keine Seltenheit.

Besonders in der Nähe von Schulen, an Haltestellen sowie bei haltenden Schulbussen sollten Autofahrer daher vorsorglich die Geschwindigkeit verringern und jederzeit bremsbereit sein. Wenn sie sich Kindern nähern, sollten sie genau beobachten, wie diese sich verhalten, um gegebenenfalls sofort reagieren zu können.

Hier geht es zur Infostrecke: So üben Sie den Weg zur Schule

(anch/das)